Informatikunterricht – ein Bericht aus der Praxis ... ;-)
Eine Kolumne von HOL Herbert Kerzendorfer
„So Kinder heute gehen wir in den Computerraum“, sagt der Lehrer und denkt sich insgeheim – endlich wieder einmal eine Stunde zum Ausrasten, in der ich auch surfen kann. Na wollen wir dem Kollegen doch einmal gemeinsam über die Schulter gucken …
Wenn die Kinder in den Raum kommen, so stürzen Sie sich meist auf ein freies Gerät um es ihr Eigen zu nennen. Der Computer hat einen Aufforderungscharakter wie ein Ball, der mitten im leeren Turnsaal liegt und an dem jedes Kind vorbeigehen muss. Meist muss dann auch noch der „Nachbar PC“ für die Freundin reserviert werden. Also alleine beim Betreten des Raumes – ohne angestammten Platz – herrscht schon mal das erste Chaos, wenn man nichts dagegen unternimmt.
Tipp: Der Lehrer weist die Plätze zu und diese bleiben gleich!
Wenn dann alle einen Platz haben, beginnt das Hochfahren des PCs – falls ausgeschaltet. Es gibt ja viele Dinge die in dieser Phase passieren können. Ein häufiger Fehler sind eingeschaltete PCs, bei denen der Bildschirm ausgeschaltet wurde – und weil alles schwarz war, wird der PC dann halt noch einmal eingeschaltet – was aber ein Ausschalten bewirkt! Auf jeden Fall gibt es manchmal ein heilloses Durcheinander, dessen Auflösung auch seine Zeit benötigt. Aber irgendwann laufen alle Geräte und man kann sich der Arbeit widmen.
Tipp: Zuerst Bildschirm kontrollieren und die Maus bewegen!
Ich sprach vom Aufforderungscharakter – und den hat natürlich auch der Bildschirmhintergrund. So eine öde Insel oder gar eine grüne Wiese – das ist ja „fad zum Quadrat“. Also muss ein Popstar rauf oder ein cooles Motorrad. Ja, während der Lehrer da vorne etwas erklärt, hab ich ohnehin locker Zeit, meinen Desktop zu gestalten. Ja und es folgt was folgen muss. „Bitte was müssen wir jetzt machen?“
Tipp: Niemand berührt Maus und Tastatur, wenn ich etwas erkläre!
Nachdem endlich alle „arbeiten“ und den Anweisungen Folge leisten, kann sich der/die LehrerIn endlich zur Ruhe begeben und ins Internet einsteigen – doch oh Schreck, der Lehrer PC ist mit dem Beamer gekoppelt. Nun gut – mit Surfen ist doch nichts! Tipp: Zum Surfen den eigenen Laptop mitnehmen – funktioniert aber leider nur wenn ein W-Lan eingerichtet ist oder ein weiteres Netzwerkkabel zur Verfügung steht! JAußerdem schnellt schon die erste Hand hoch, der PC ist abgestürzt – überlastet? Glück gehabt, er fährt von selber wieder hoch. „Naja, vielleicht bin ich mit dem Knie an den Ein/Ausschaltknopf angekommen.“ sagt der Schüler dann kleinlaut. Gott sei Dank stellt das Programm das Verlorengeglaubte wieder her und die Daten sind nicht ganz verloren.
Tipp: Office Programme stellen bei Stromausfall oder dgl. die Dokumente meist wieder automatisch her, man muss nur das Programm neu starten.
Während der erste Schüler wieder weiterarbeiten kann, kommt schon die zweite Hand in die Höhe. Der PC hat wirklich den Geist aufgegeben – keine Verbindung mehr zum Internet – und wir sollen ja aus dem Internet Informationen sammeln. Nun gut – das Netzwerkkabel könnte defekt sein, aber da kennt sich keiner so genau aus. Aber es gibt eine einfache Lösung – eine Partnerarbeit mit der Nachbarin. Eine sucht im Internet und die andere macht Notizen in der Textverarbeitung.
Tipp: Das Überprüfen, ob eine Verbindung zum PC besteht, ist ganz einfach. Wenn ein Netzwerkkabel angesteckt ist und der PC läuft, dann muss ein (meist grünes) Licht beim Stecker leuchten. Manchmal ist aber auch nur die Netzwerkverbindung (LAN-Verbindung) deaktiviert.
Aber es bleibt noch immer keine Zeit zum Überlegen, denn in der letzten Reihe tut sich was. Der Bildschirm ist kaputt. Auf einmal schwarz geworden. „Ich wollte ja nur dem Nachbar meine tolle Internetseite zeigen,“ kommt es kleinlaut. „Ja und da hab ich den Bildschirm zu ihm rüber gedreht und jetzt ist er kaputt….“. Natürlich ist er nicht kaputt, es ist nur der Netzstecker locker, weil der Bildschirm am Tag 20-mal hin und her gedreht wird. Der Lehrer weiß das, und schon während der Schüler noch verdrießlich dreinschaut, geht dem Bildschirm wieder ein Licht an und die Arbeit kann fortgesetzt werden.
Tipp: Netzstecker an Bildschirmen werden oft locker – immer zuerst die Stecker kontrollieren bevor man einen neuen Monitor kauft. ;-)
Endlich Ruhe – doch nein – das kann nicht sein, 5 Hände in der Höhe, der Drucker geht nicht, das ist das Problem. Nun gut der Drucker steht ja dort in der Ecke und die Lampen blinken sehr verdächtig. Kein schwarzer Toner ist die Diagnose, aber kein Problem, wer klug ist sorgt vor, und der Toner ist in der Lade, schwupp die wupp die Cartridge getauscht, und schon leuchtet wieder alles grün. Aber leider, es kommt kein Blatt. Ach ja, die Druckaufträge hängen noch im PC, also schnell hin und alle löschen – und jetzt bitte alle noch einmal drucken!
Tipp: Schüler dürfen nie ohne zu fragen ausdrucken. Der Lehrer sollte vor dem Druckvorgang einen Blick auf den Drucker werfen ob alles okay ist. Ein defekter Drucker verursacht meist auch einen „Stau“ im Druckerspooler.
Endlich das Dokument in der Hand, die Pause naht, begibt sich jede/r wieder auf seinen/ihren Platz. Wir müssen noch speichern, das ist natürlich wichtig. Die Frage ist nur wo soll das gespeichert werden. Gibt es ein Netzwerk mit eigenem Speicherordner, dann ist alles klar, speichert man es irgendwo ab, dann ist es ein Glück, wenn man es dort findet, wo es einmal abgespeichert war. Nun gut es läutet, aus dem Surfen wurde nichts, aber die Stunde war wunderbar, weil jede/r hat das Ziel erreicht. Das Blatt Papier in den Händen, wird in der Klasse dann kleben an den Wänden!
Und die Moral von der Geschicht’: gute Lehrer surfen nicht! ;-)
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