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Andrew Keen: The Cult of the Amateur

buchrezension.jpgWeb 2.0 als Spielplatz der Amateure: So beschreibt Andrew Keen in seinem durchaus interessanten Pamphlet (als solches kann man das Buch aufgrund seiner Undifferenziertheit, seiner Kürze und zuweilen seiner Aggressivität durchaus bezeichnen) die wunderbare weite Welt des neuen Internets. Seine Kernaussage: Die neuen benutzergenerierten Medien wie Blogs, MySpace oder YouTube zerstören unsere Wirtschaft, unsere Kultur und unsere Werte.

(pea) Anhand zahlreicher Beispiele versucht der Autor den sprichwörtlichen Internet-Teufel in Gestalt gewöhnlicher Web-2.0-UserInnen an die Wand zu malen. Sämtliche negative Auswirkungen bzw. gesellschaftliche Veränderungen, wie z.B. der stete Untergang der Musikindustrie durch illegale Musik-Downloads bis hin zum einfachen Zugang von SchülerInnen zu fertigen Texten und damit zum Plagiat in der Schule, werden minutiös ausgeschlachtet.In vielen Punkten hat Keen zweifellos Recht, etwa wenn er seriösen Journalismus einem hobbyhaften Blogging gegenüberstellt und die Auswirkungen des Bloggings auf Medien und öffentliche Meinung kritisiert; vor allem aufgrund des Fehlens professioneller Filter. Jedoch läuft er hier – wie überraschenderweise in vielen amerikanischen Publikationen zu diesem Thema der letzten Zeit (vgl. Die Weisheit der Vielen, James Surowiecki – Buchrezension e-LISA academy Newsletter Mai 2008) beobachtbar – immer wieder in die Falle der undifferenzierten Darstellung. Ein paar positive Beispiele, die ja ebenfalls bekannt sind, würden dem Buch bzw. den Argumenten größere Glaubwürdigkeit verleihen.
So kritisiert Keen auch – evtl. zu Recht – Wikipedia als die große Bedrohung der Wissensgesellschaft, da hier jede und jeder unzensiert seinen „Senf“ zum großen Topf des Wissens geben darf. Dass es hier allerdings auch gewisse Filtermechanismen gibt (wie z.B. die Regulierung durch die Massen), bleibt unerwähnt. Dass die „Encyclopædia Britannica“ mit ihren zahlreichen hochbezahlten Wissenschaftlern viel seltener zur Wissensbeschaffung herangezogen wird als Wikipedia, ist ein Phänomen unserer Zeit, dass jedoch Wikipedia als seriöse wissenschaftliche Zitationsquelle kaum akzeptiert ist, bleibt ebenfalls unerwähnt.

Es sind natürlich vordergründig überzeugende Argumente, wenn Keen bezüglich des Untergangs der Musikindustrie auch MySpace oder YouTube kritisiert, da es hier auch den größten Laien möglich ist, selbst produzierte Inhalte zu verbreiten, womit sie andere nötigen, sich diesen „Schrott“, wie Keen es nennt, anzutun. Nur vergisst der Autor hier, dass es sich bei den Konsumenten von Web-2.0-Inhalten um mündige Bürger handelt, die meiner Meinung nach zwischen der Qualität eines im Wohnzimmer produzierten Songs und der eines professionellen – beispielsweise – Bob-Dylan-Albums sehr wohl unterscheiden können und auch wollen.

Dass Web-2.0-Funktionalitäten Auswirkungen auf die digitale Gesellschaft und schließlich auch auf die reale Gesellschaft haben, ist klar und eine einschneidende Entwicklung der letzten Jahre. – Wie immer bei Änderungen gibt es positive und negative Aspekte. Auch wenn in diesem Buch nur die eine Seite aufgezeigt wird, ist es dennoch lesenswert, jedoch nur in Ergänzung zu „James Surowiecki: Die Weisheit der Vielen“.

Andrew Keen: The cult of the amateur. Doubleday, New York 2008

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