DOSSIER
Der Mehrwert von EPICT – erste Erfahrungen aus den Pilotkursen
Im Laufe des letzten Sommersemesters fanden an fast allen öffentlichen und privaten Pädagogischen Hochschulen in ganz Österreich EPICT-Pilotkurse statt. Ziel dieser Pilotkurse, die sich in dieser Testphase an unterschiedliche Zielgruppen von LehrerInnen über Studierende bis hin zu PH MitarbeiterInnen richteten, war es, herauszufinden, wie gut sich das dänische EPICT Konzept für die LehrerInnenfortbildung in Österreich eignet.
(koa) Kurz zusammengefasst: EPICT funktioniert! Wenn auch noch nicht völlig perfekt in allen Bereichen – kleine Adaptionen beispielsweise für den Volksschul-Bereich oder auch die Hochschuldidaktik müssen auf jeden Fall noch vorgenommen werden – aber im Großen und Ganzen ist das Konzept in den Pilotkursen mit Begeisterung aufgenommen worden. Als die großen Highlights von EPICT stellten sich vor allem das Arbeiten in Teams und der direkte Transfer des Gelernten in die Unterrichtspraxis heraus: „Endlich wird einmal über den Unterricht diskutiert!“ Die TeilnehmerInnen empfanden es als bereichernd, sich im Laufe eines EPICT Kurses gegenseitig, innerhalb und auch außerhalb der Teams über die Schultern schauen zu können.

Der EPICT Pilotkurs an der KPH GrazEin weiterer großer Vorteil von EPICT ist, dass die einzelnen Personen dort abgeholt werden, wo sie gerade stehen. Sowohl ein/e blutige/r AnfängerIn als auch eine IKT-versierte Lehrkraft kann von diesem Konzept profitieren und für sich viel herausholen. Dabei bedarf es jedoch einiger Eigeninitiative, denn bei EPICT „setzt man sich nicht in einen Kurs“, sondern erarbeitet sich seine neuen Kenntnisse selber und gemeinsam mit seinen Team-KollegInnen und den MentorInnen.
Aber am besten lassen wir einige der EPICT Pioniere in Österreich selber zu Wort kommen:
Petra Traxler (EPICT Koordinatorin PHDL): Es ist der Vorteil von EPICT, dass man an den Vorkenntnissen der Teilnehmenden ansetzt. Jeder soll ein Stück weitergebracht werden von da, wo er/sie steht. Das ist dann der individuelle Lernerfolg, und es kommt darauf an, von welchem Level man startet, wenn jemand fortgeschritten ist, wird er in dem Bereich weiter gefördert. Wenn jemand nicht so fortgeschritten ist, muss das bei EPICT nicht heißen, dass er/sie an denselben Punkt kommen muss wie jemand anders. Vielleicht macht er/sie auch nur einen kleinen Schritt, und den bestimmt er/sie schlussendlich selbst. Das fordert den/die Mentor/in natürlich ungemein!
Nik Felbermayr (EPICT Mentor PHDL): Wir haben als EPICT Mentoren bei der Beurteilung von Aufgaben die Richtlinie 60:40, also so in der Art „Das ist gut, AAABER“. Ich habe also die Assignments (eingereichte Aufgaben) öfter durchgelesen, sie wirken lassen, versucht sinnvolle Anregungen zu geben aus meinem Wissen heraus. Wenn man merkt, da hat sich jemand wirklich intensiv mit dem Thema beschäftigt, kann man natürlich nicht einfach irgendetwas zurück schreiben, sondern man nimmt sich viel Zeit. Das Schreiben selbst geht da am schnellsten, aber was im Kopf dabei passieren muss … das kann länger dauern.
Walter Hermann (EPICT Mentor und Koordinator PH Burgenland): Der besondere Mehrwert an EPICT ist die Teamarbeit, die schulinterne und Schulen übergreifende! Weiters muss auch das Feilen an den Unterrichtskonzepten als sehr positiv hervorgestrichen werden, es beschäftigt die Teilnehmenden sehr viel, bis in den Freizeitbereich hinein. Man denkt darüber nach, verschriftlicht es wieder und versucht es im Team zu lösen – das heißt, das Auseinandersetzen mit einer Sequenz im Team ist durchaus etwas, was ich als Hauptschwerpunkt sehen würde.
Die TeilnehmerInnen waren samt mir von der Vielfalt der fachdidaktischen Ideen und den daraus resultierenden Methodenpool sehr angetan. Insbesondere die VS zeigte tolle Beispiele, wie im Rahmen von offenen Lernformen der PC ganz gezielt als Teil des Unterrichtskonzeptes eingesetzt wird. Zitat eines VS Lehrers zum Pflichtmodul B „Type a Text“: Die Kinder arbeiteten plötzlich viel lieber an den digitalen gemeinsamen Texten, als mit „fertigen“ Lernspielen. Solche schauten plötzlich verstaubt und alt aus.
Margaretha Hermann (EPICT Mentorin und Koordinatorin PH Burgenland): Eines der Highlights war unsere Startveranstaltung – die war äußerst gelungen! Was mir an unserem Pilotkurs auch sehr positiv auffällt ist, dass die Teilnehmenden wirklich versuchen, das Erarbeitete im Unterricht umzusetzen, obwohl es in dem Sinn nicht verlangt wird. Das Bestreben der praktischen Umsetzung steht definitiv im Vordergrund, und das finde ich gut. Denn einmal praktisch ausprobiert ist für mich besser als dreimal theoretisch mitgeschrieben, sei es auch noch so gut.
Heidelinde Mahr (Teilnehmerin PH Burgenland): Die Arbeit in der Gruppe fand ich toll, da gab es überhaupt keine Probleme, obwohl wir etwas unterschiedliche Vorkenntnisse hatten. Von den Modulen her finde ich EPICT auch für mich als VS-Lehrerin sehr interessant, z.B. das Modul C – E-Mail: darüber und wie man E-Mails im Unterricht einsetzen könnte, macht man sich im Volksschulbereich nicht so oft Gedanken. Hier bekam ich auch durch die anderen TeilnehmerInnen gute Anregungen. Die Arbeit mit der Moodle-Plattform gefällt mir auch sehr gut, vor allem, dass man lesen kann, welche Projekte die anderen so machen. Mich interessiert natürlich auch, wie die HAK oder AHS den Computer einsetzt!
David Wohlhart (EPICT Koordinator KPH Graz): Das EPICT Konzept eignet sich nicht unmittelbar und 1:1 für die Hochschuldidaktik, sprich für die Fortbildung von PH Lehrenden. Wir haben uns die Aufgabe gestellt, das Konzept für diesen hochschuldidaktischen Rahmen nutzbar zu machen, was nicht ein ganz Leichtes war … Gut gefällt mir an unserem EPICT-Pilotkurs, dass eine gewisse Heterogenität innerhalb der Gruppen vorherrscht und diese sich als absolut sinnvoll und nutzbar herausgestellt hat. Wenn man so wie bei uns im Haus Leute aus unterschiedlichen Bereichen, z.B. eine/n IKT-Spezialisten/Spezialistin, eine/n FachdidaktikerIn, eine/n HumanwissenschaftlerIn in einer Gruppe zusammenbringt, dann hat man eine reichhaltige und sehr gute Mischung, mit der man gut arbeiten kann.
Dieter Langgner (EPICT Mentor und Koordinator PH Steiermark): Es war höchste Zeit, dass es in Österreich endlich so etwas wie EPICT gibt. Ich denke, dass wir in den nächsten Semestern und Jahren möglichst viele Lehrende für diese Fortbildungs- und Zertifizierungsschiene motivieren und EPICT auch in der Ausbildung fest verankern sollen.
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