Mehr als nur eine Rechtschreibhilfe ...
Ein Gespräch mit der Laptopklasse 8a des BG/BRG Zell am See
Die Schülerinnen und Schüler der 8a am BG/BRG Zell am See, einer Laptopklasse, berichten über ihre Erfahrungen mit computergestütztem Unterricht und darüber, warum sie ihre Laptops um keinen Preis wieder hergeben würden (es sei denn für ein Ersatzgerät ...).
„Was würde euch fehlen, wenn ihr plötzlich keinen Laptop mehr im Unterricht verwenden dürftet?“ – „Die Rechtschreibhilfe in Word!“, kam es wie aus der Pistole geschossen. „Ist das alles?“, fragen wir leise nach ...

Die Schülerinnen und Schüler der 8a berichten über ihre Erfahrungen mit computergestütztem Unterricht.
Nach kurzer Überlegzeit meldet sich eine Schülerin zu Wort und meint, dass es ihr mit Hilfe des Computers viel leichter falle, Ordnung in ihren Unterlagen zu halten. Kopfnickend stimmen ihr die meisten Mitschülerinnen und Mitschüler zu. In Anbetracht der bevorstehenden Matura sei es schon sehr praktisch, alle Unterlagen „beieinander“ zu haben. Über den Class Server, die Lernplattform, mit der die Klasse arbeitet, sei es auch für die Lehrerinnen und Lehrer sehr einfach, die Lernenden mit Zusatzmaterialien, Übungen und Arbeitsblättern zu versorgen.
Das Arbeiten mit dem Class Server, berichten die Schülerinnen und Schüler, sei zwar anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig gewesen, vor allem Kommunikationsprobleme zwischen den Lehrkräften und der Klasse haben das Arbeiten mit der Plattform ein wenig getrübt. Die Lernenden wussten nicht, wie oft sie den Class Server besuchen sollten, und verpassten so unangekündigte Arbeitsaufträge der Unterrichtenden. Mittlerweile sei dieses Problem aber aus der Welt und die Schülerinnen und Schüler genießen vor allem die Erleichterungen, die die Plattform hinsichtlich Informationsaustausch und interner Kommunikation mit sich bringt.

Anfänglich sei das Arbeiten mit dem ClassServer gewöhnungsbedürftig gewesen, nun funktioniere es aber prima.
Austauschen und Weitergeben von Informationen, die selbstständig erarbeitet und aufbereitet worden sind, sind für die Schülerinnen und Schüler bereits zu völlig selbstverständlichen Arbeitsschritten geworden. Besonders stolz sind die Lernenden auf ihre Fähigkeit, aus der Informationsflut, auf die sie bei ihren Internetrecherchen stoßen, die für sie relevanten Infos filtern zu können und den Wahrheitsgehalt der vielen verschiedenen Beiträge intuitiv beurteilen zu können.
Sich von überflüssigen oder inkorrekten Informationen – die ja nicht unbedingt uninteressant sein müssen – nicht zu lange aufhalten zu lassen, erfordert jedoch vor allem sehr viel Selbstdisziplin. Der Grad der Ablenkung durch das Arbeitsgerät Laptop und alles drum herum sei ein nicht zu unterschätzender. Wie groß ist nicht die Verlockung, während des Lehrervortrags kurz seine E-Mails abzurufen oder mit einer Klassenkollegin via ICQ oder einem anderen Instant-Messaging-Programm zu plaudern. Während des ersten Semesters in der Laptopklasse sei die große Ablenkung durch den Computer wirklich ein Problem gewesen, erzählt uns ein Schüler, mittlerweile habe die Klasse aber erkannt, dass es sich schlichtweg nicht lohne, Unterrichtszeit zu vergeuden, da dies Mehrarbeit zu Hause bedeute. Sehr vernünftig und reif, die Schülerinnen und Schüler der 8a – da könnte sich so mancher Erwachsene durchaus ein Scheibchen abschneiden ...

PC-Kompetenz, das Beherrschen von Präsentationstechniken und Strategien im Umgang von Informationsaufnahme und -beurteilung zählen die Schülerinnen und Schüler zu ihren Stärken.
„Lernt man in einer Laptopklasse etwa mehr als im herkömmlichen Unterricht?“ Die Schülerinnen und Schüler überlegen und einigen sich schließlich darauf, dass sie nicht unbedingt mehr lernen, aber auf jeden Fall anders lernen, als sie es in der Unterstufe gewohnt waren. In Sachen PC-Kompetenz, der Verwendung verschiedenster Programme oder dem Abhalten von Präsentationen mit Hilfe eines Beamers – einer Fähigkeit, die die Klasse für das zukünftige Berufsleben für äußert wichtig hält – ist die Klasse auf jeden Fall ganz vorne mit dabei.
Die Schüler bemerken jedoch Mängel in ihrer Rechtschreibung oder Schwächen beim Kopfrechnen, die sie auf den häufigen PC-Einsatz im Unterricht zurückführen.
Daher meint Gabi Jauck, Klassenvorstand der 8a, auch, dass es ab und zu sehr wichtig sei, den Laptop ganz bewusst beiseite zu schieben. 30% des Unterrichts computergestützt abzuhalten, reiche ihrer Meinung nach vollkommen, um die Schülerinnen und Schüler nicht zu überfordern, sondern sie in ihrem Lernfortschritt zu fördern.
„Was möchtet ihr den nächsten Generationen an Laptopklassen mit auf den Weg geben?“ – „Spart nicht bei den Geräten!“ Die Schülerinnen und Schüler der 8a mussten nämlich die Erfahrung machen, dass kostengünstige Laptops leider auch sehr fehleranfällig sind. So gut wie alle Geräte der Klasse waren in den letzten drei Jahren bereits in Reparatur. Und die Vorstellung, ihren Laptop bald wieder entbehren zu müssen, gefällt den Schülerinnen und Schülern gar nicht.
(koa)
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