Learning Gateway am BG/BRG Zell am See: A Splendid Idea for Blended Learning
Nur eine innovative Idee – oder doch schon eine reelle Lösung? Seit nun schon mehr als 20 Jahren wird am Gymnasium Zell am See Informatik unterrichtet und fast genauso lange währen die Bemühungen, den Unterricht auch in anderen Fächern durch den Einsatz von Computern und später auch durch das Internet innovativ zu gestalten.
Also schon lange bevor E-Learning zum Modewort wurde, hatten einige Lehrkräfte die Vision, wie moderne Technologien und Medien sie unterstützen könnten, vor allem bei der
- Förderung der Eigenständigkeit und Persönlichkeitsentwicklung der Lernenden;
- Förderung schwacher und benachteiligter Schülerinnen und Schüler;
- Steigerung der Lern- und Schulmotivation;
- Entwicklung und Umsetzung neuer Lehr- und Lernmethoden.

Der Einsatz des Computers im Unterricht ist am BG/BRG Zell am See eine Selbstverständlichkeit.
Waren es in den Anfängen allein stehende PCs, auf denen einfache Drill- and Practice-Übungen die Schülerinnen und Schüler motivierten, dann die Möglichkeit beim GLOBE-Projekt mit Schulen aus Amerika kommunizieren und Daten austauschen zu können oder die Erstellung eines geographischen „Cyberbooks“ am BG/BRG Zell am See, das als Landessieger im Cyberschool-Wettbewerb hervorging. Durch die Anfänge des World Wide Webs mit der Fülle der darin zu findenden Informationen, wo stundenlanges Surfen schon das Highlight an sich war, wurde allen aber bald auch folgendes Dilemma schmerzlich bewusst: Im Internet zu surfen, dort oft nur Anhaltspunkte für vermeintliche Informationen zu finden, diese Fundstücke ungeachtet der Quelle auszudrucken und meist ungelesen abzuheften, bedeutet eben nicht verstehend und strukturierend lernend voranzukommen, sondern in der Logik einer Maschine Zusammenhangloses aufzuhäufen [Raimond Schmahl, Leverkusen, http://bildung.twoday.net/stories/250015].

Arbeiten mit dem PC ist mehr als nur der Einsatz von Drill- and Practice-Übungen.
Mit der zunehmenden Vielfalt der Möglichkeiten ergaben sich auch neue Bedürfnisse im Schulalltag. Die zur Zeit herrschende Euphorie über E-Learning und der Ruf nach Content lassen viele Kurse entstehen, die für den Schuleinsatz konzipiert und meist didaktisch gut durchdacht und kindgerecht gestaltet sind. Dennoch finden sie nicht die gewünschte Verbreitung. Vielleicht, weil die Beschreibung und Katalogisierung der Metadaten und somit das leichte Auffinden dieser Lernsequenzen noch nicht ausreichend realisiert wurden? Oder weil die Angst vor „fix-fertigen“ Unterrichtssequenzen besteht, die die Lernenden stundenlang selbstständig durcharbeiten müssen, während die Lehrkraft Tutor sein soll und die Schülerinnen und Schüler auf einem Weg, der so gar nicht dem eigenen Unterrichtsstil entspricht, begleiten muss? Sollten somit anerkannte Faktoren der Lernmotivation wie persönliche Kommunikation, Interaktion, soziale Kontrolle innerhalb der Klasse nicht mehr gegeben sein?
Viele Lehrende verwirklichen inzwischen ihre eigenen Ideen von E-Learning und finden die für sie persönlich akzeptabel bis ideal erscheinende Lösung. Sie erstellen teilweise eigene, passwortgeschützte Websites, richten Communities bei den verschiedensten Anbietern ein und führen virtuelle Klassen auf öffentlich zugänglichen (Übungs-)Lernplattformen. So kommen manche Schülerinnen und Schüler schon mit langen Listen in den EDV-Raum mit Adressen, Loginnamen und Kennwörtern. Aber je komplizierter und vielfältiger diese Unterrichtsvorgaben sind, desto geringer wird die Motivation, überhaupt damit zu arbeiten, und umso schwieriger wird es, den Schülerinnen und Schülern Kerninformationen zukommen zu lassen. Denn die Häufigkeit der Besuche der jeweiligen Seiten nimmt rapide ab.
Gabi Jauck und ihre Schülerinnen beim Mathematikunterricht im Computerraum.
Um die gewünschte Hilfe bei der Organisation des Lernens, der Vereinfachung der Verteilung von Dateien, der Aufgabenstellung und der Abgabe von Schülerarbeiten und der erstrebten Kommunikation zu erhalten, muss ein Lernmanagementsystem folgende Ansprüche befriedigen:
- Autorenwerkzeuge zum einfachen Erstellen, Importieren und Bearbeiten von Lernmodulen;
- Darstellung der Lerninhalte in einem Standardbrowser; für die Lernenden darf keine spezielle Software erforderlich sein;
- Möglichkeiten zur manuellen oder automatischen Bewertung und zur Erstellung von Berichten;
- Kommunikationswerkzeuge für Lernende, Eltern, Lehrende und Administration, von einfachen Diskussionsforen bis zu Video Conferencing oder Shared Desktop;
- Benutzerverwaltung über die schon vorhandenen Einträge im Active Directory, Datensicherheit und Datensicherung.
Um aktuelle, der jeweiligen Klassensituation angepasste Lernressourcen erstellen zu können, muss das Werkzeug dazu einfach sein. Eine mehrere Stunden dauernde Vorbereitung für jede zu haltende Stunde ist nicht nur unrealistisch, sondern auch vom Zeitbudget her völlig unmöglich. Ein Import von Lernressourcen aus verschiedensten Quellen und deren Bearbeitung muss möglich, die entsprechenden Standards müssen also erfüllt sein (SCORM, IMS).

Sind die Lernressourcen an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler angepasst, macht das Lernen mit dem Computer gleich viel mehr Spaß.
Automatische Bewertungsmöglichkeiten von Übungen sollen vor allem die Lehrkraft entlasten, aber auch den Schülerinnen und Schülern möglichst rasche Rückmeldung über den Lernerfolg geben und die Selbstevaluation fördern. Eine Zusammenfassung der Schülerleistungen in übersichtlichen Berichten hilft bei der Vorbereitung von Konferenzen und Elterngesprächen.
Das E-Learning-Team des BG/BRG Zell am See beschäftigt sich seit mehreren Jahren intensiv mit allen Innovationen rund um Lernplattformen. Nachdem mehrere Plattformen intern evaluiert und auch in der Unterrichtspraxis eingesetzt wurden, fiel die Entscheidung am BG/BRG Zell am See auf den MS ClassServer, der alle o.a. Forderungen erfüllte. Wesentlichen Einfluss auf die Entscheidungsfindung nahmen dabei:
- die leichte Erlernbarkeit – auch Kolleginnen und Kollegen ohne Erfahrungen im IKT-Bereich sind innerhalb kürzester Zeit in der Lage, die Grundfunktionen zu nutzen, Lernressourcen zu erstellen und den Schülerinnen und Schülern in Form von Aufgaben zuzuweisen,
- Direktimport von MS-Word-Dateien und Möglichkeit der weiteren Bearbeitung im ClassServer, wie z.B. das Einfügen von Fragen und Antwortfeldern
- Import- und Exportmöglichkeiten der Lernressourcen und Austauschbarkeit auch mit anderen Lernplattformen. Ein Direktimport von allen Encarta-Artikeln und deren Umwandlung in Lernressourcen ist möglich.
- Benutzerverwaltung über die schon vorhandenen Strukturen im Active Directory, aber auch die Möglichkeit einer Authentifizierung direkt im ClassServer
- Auf Wunsch eigenes Login für Eltern, um die Aufgaben und die Erfolge der (natürlich nur) eigenen Kinder mitzuverfolgen.
- Client zur Offline-Bearbeitung und Bewertung der Aufgaben.

Ein Teil des E-Learning-Teams des BG/BRG Zell am See bei einer Besprechung.
Nach ersten Erfahrungen in drei Klassen arbeiten nun alle Schülerinnen und Schüler des BG/BRG Zell am See mit dem ClassServer, der einerseits im Unterricht eingesetzt wird, andererseits auch von zu Hause aus erreichbar ist. Inzwischen werden Partnerschulen am BG/BRG Zell am See serverseitig gehostet und im Rahmen des E-Learning-Clusters Salzburg mit Lernmanagementsystemen anderer Schulen verlinkt. Es erscheint daher nahe liegend, dieses Know-how mit erweiterten Kooperationspartnern zu einem in dieser Form in Österreich noch nicht verfügbaren Projekt zusammenzuführen.
In Zusammenarbeit mit Microsoft Österreich wurde nun ein Pilotprojekt initiiert, das die Ausweitung des Salzburger Bildungsnetzes durch ein schulartenübergreifendes Learning Gateway vorsieht. Im Schuljahr 2005/06 werden in einer Pilotphase mit ausgewählten Schulen Erfahrungen gesammelt und technische, inhaltliche und pädagogische Erfordernisse erprobt.
Über das Learning Gateway können in Zukunft Lehrende und Lernende unterschiedlicher Schulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung nicht nur alle Vorteile einer Lernplattform nutzen, sondern auch überregional kommunizieren und zusammenarbeiten. Lerninhalte und Konzeptionen (z.B. Förderungsmaßnahmen) können leicht erstellt, in Form eines Contentpools ausgetauscht und gemeinsam weiterentwickelt werden.
Das Learning Gateway bietet öffentlich zugängliche Informationsseiten für alle Interessierten. Nach erfolgter Anmeldung erhält jeder Benutzer eine personalisierte Oberfläche, wo alle für ihn relevanten Informationen zusammengefasst sind. Im Terminkalender sieht jeder die Termine, die allgemeine Gültigkeit haben (z.B. Ferien, landesweite Veranstaltungen), die Termine, die von der eigenen Schule eingetragen wurden (z.B. Elternsprechtag, Schulveranstaltungen), die Termine der eigenen Klasse (z.B. Schularbeiten, Tests) und alle Termine, die der jeweilige Benutzer selbst eingetragen hat. Er sieht also alle für ihn gültigen Daten, nicht jedoch die der Parallelklasse oder der Nachbarschule. Auch alle Newselemente, die zur Verfügung gestellten Hyperlinks und/oder die Diskussionsforen werden in einer persönlichen Ansicht dargestellt und nur den jeweils berechtigten Benutzern angezeigt.
Schülerinnen und Schüler sehen alle Aufgaben, die im ClassServer zur Bearbeitung bereitstehen, sowohl auf ihrer Startseite als auch zum Abgabetermin in ihrem Kalender. Eltern können sich auf einer Seite über die Lernerfolge aller ihrer Kinder informieren, auch wenn diese verschiedene Schulen besuchen. Lehrende haben die Möglichkeit, sich genau jene Lernressourcen anzeigen zu lassen, die für das Fach und die Schulstufe geeignet sind. Per Mausklick können diese den eigenen Schülerinnen und Schülern zugewiesen werden.
Gabi Jauck und Rainer Hochhold
BG/BRG Zell am See
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