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Die OSCON 2006 – bewegt sich was bei „Open Source“ in Österreich?

Die zweite Open Source Business Konferenz in der Wirtschaftskammer Wien fand am 10. April 2006 statt (www.oscon.at). Von den „Open Source Experts“ betreut, einer Gruppe junger Wirtschaftstreibender aus der österreichischen IT-Branche, war sie engagiert geführt und verbreitete, manchmal auch etwas krampfhaft, viel Zuversicht, auch in Österreich das Pflänzchen der Softwareentwicklung nach offenen Standards zu fördern.
 
Natürlich: Es war ein Montag in der Karwoche, viele Gesichter kannte man von der ersten Konferenz im Jänner 2005 und der Besucherandrang hielt sich in Grenzen. Das zweite Mal imponierte aber das freundlich beschwingte Klima der Konferenz, bei der die Vertreter einander immer wieder versicherten, dass die großen Zeiten der offenen Quellen und offenen Standards in der Softwareentwicklung erst noch kommen werden.  

Open Source ist immerhin ein europäisches Phänomen, wie WKO-Vizepräsident Hans Jörg Schelling erklärte, wo es auch gelte, die Lissabonziele der EU (dynamischster Wirtschaftsraum Europa, nicht zuletzt durch eine Bündelung der nationalen IT-Strategien) täglich neu zu schaffen. In Zeiten von ansteigenden Wirtschaftswachstumsdaten und Exporterfolgen der österreichischen Wirtschaft (denen die Binnennachfrage noch nicht so folgen kann) soll sich auch eine kleine und feine Softwareindustrie herausbilden, die mit Open-Source-Produkten – womit sonst – zunehmend konkurrenzfähig wird.

Das Internet hat den Durchbruch gebracht, doch die Ursprünge von Free-/Open-Source-Software (FOSS) reichen deutlich weiter zurück als bis zum Beginn der neunziger Jahre, so Robert Gehring, TU-Berlin, in seiner Keynote. Und längst schon hat der Open-Source-Gedanke auch in anderen Gesellschaftsbereichen Fuß gefasst. Europa mit seiner vergleichsweise kleinteiligen Wirtschaftsstruktur hat im FOSS-Bereich eine Vorreiterrolle übernommen. Kein Wunder, stärkt der dezentrale Ansatz von FOSS doch die Position von KMUs gegenüber den großen, global agierenden Konzernen: Kostenvorteile, Kundennähe, Kenntnis lokaler Gegebenheiten – nicht zuletzt der jeweiligen Landessprache(n) – und das volkswirtschaftlich gewichtige Argument des Verzichts auf Lizenzzahlungen sind wichtige Argumente.

Sollen die im globalen Vergleich vorhandenen Wettbewerbsvorteile der europäischen FOSS-Akteure nachhaltig genutzt werden, ist die europäische Politik gefragt. Der Aufbau der Informationsgesellschaft verlangt nach einer belastbaren und finanzierbaren IT-Infrastruktur für Communities. Offene Standards, offene Datenformate, offene Innovation, offener Zugang zu Netzwerken und Basisdaten können zusammen mit FOSS die Grundlage für eine solche Infrastruktur bilden. Der nationalen und europäischen Politik kommt die Aufgabe zu, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, bestehende Hindernisse aus dem Weg zu räumen und keine neuen zu errichten. Den FOSS-Akteuren aus der Wirtschaft kommt die Rolle zu, über die Möglichkeiten von OSS zu informieren, sich zu vernetzen und ihre Interessen auf der europäischen Bühne fokussiert zu vertreten.

Johannes Zeitelberger zeichnet ein pointiert anderes Bild: Open Source lebt von einer Art Community-Verständnis einer desillusionierten Softwareproduktion, wo der sinnstiftende Wert der Codezeilenproduktion nicht mehr erkannt werde. Open Source wird daher vom Marktgeschehen weggezogen hin zur wärmenden (weltweiten) Community – und hat dort mehr Überlebenschance? Hat das mit Softwareproduktion überhaupt noch etwas zu tun?

In den Arbeitskreisen, die in vier Schienen (Open Source und Recht, Open Source Solutions, Open Source im öffentlichen Interesse, OS Frameworks) abgehandelt wurden, war viel Optimismus und eine sehr korrekte Open-Source-Politik zu spüren.

So wurde im öffentlichen Bereich im Rahmen einer OSS-Plattform das Thema OSS diskutiert und es wurden entsprechende Ergebnisse erarbeitet. Im EU-Umfeld wurde die Bedeutung der OSS im öffentlichen Bereich erkannt, und unterschiedliche Initiativen beschäftigen sich derzeit damit. Auch das Bundesrechenzentrum verwendet OSS auf unterschiedlichen Ebenen. Erfahrungen mit Linux, aber auch OSS auf Applikationsebene (z.B. http://www.Help.gv.at) liegen vor, führen aber noch nicht zu großflächigen Einsatzbereichen. 

Ein sehr interessantes Projekt stellte Markus Hadek vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger vor: Die strategische Ausrichtung war es, die bestehenden Systemlandschaften durch eine moderne, offene und – soweit sinnvoll auf Open-Source-Komponenten beruhende – neue, webzentrierte technische Architektur zu ergänzen.
Der Einsatz von Open Source in der Sozialversicherung wurde im Projekt "eSV – Elektronische Sozialversicherung im Internet" erfolgreich umgesetzt. Die e-Card ist der zentrale Schlüssel zu den Leistungen der österreichischen Sozialversicherung und des Gesundheitswesens. Sie ist bereits für den Einsatz als Bürgerkarte vorbereitet. Das Konzept Bürgerkarte wurde erfolgreich mit Open-Source-Komponenten umgesetzt. Nach Aktivierung der Bürgerkartenfunktion bekommt jeder Kunde sicheren Zugang zu den elektronischen Dienstleistungen der Sozialversicherung. Mit der Bürgerkarte kann die Kommunikation mit Behörden und Unternehmen sicher, rasch und bequem abgewickelt werden. Österreich hat in der EU immerhin den zweiten Platz im eAdministration-Bereich (fälschlich oft als eGovernment bezeichnet) zu verteidigen.
Im Schulbereich wachsen einzelne Open-Source-Inseln langsam zusammen, die Anzahl der Arbeitsplätze mit Open-Source-Betriebssystemen und -Applikationen wird allmählich größer. Dabei geht es um die Propagierung von zwei IT-Welten im Oberstufenschulwesen, nicht unbedingt um ein Ausspielen von „Systemen“ in einer Konkurrenz.

In Summe bleibt das Gefühl einer wachen, engagierten, aber noch immer kleinen Open-Source-Community, die um ihre Bedeutung ringt. Die Strategien werden sachlicher, einige sind mit Desktop-Systemen schon auf die Nase gefallen und bewegen sich in zwei EDV-Welten, der Drang zu messianischer Bekehrung geht zurück. Gute Chancen, mit balancierten Konzepten und nüchterner Betrachtungsweise echte Problemlösungen zu entwickeln, die nicht nur gut sind, weil Open Source.

Literatur: B. Lutterbeck, M. Bärwolff, R. Gehring, Open Source Jahrbuch 2006, Lehmanns Media, TU-Berlin, 2006 (www.opensourcejahrbuch.de ).
MR Dr. Christian Dorninger, BMBWK

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