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Podcasts im Unterricht. 5 Fragen – 5 Antworten

Ein E-Mail-Interview mit Andreas Auwärter, Koordinator der AG-Podcasting / eLearning an der Universität Koblenz – Landau. 

Andreas_Auwaerter.jpgFünf Fragen rund um Podcasts und Einsatzmöglichkeiten selbiger im Unterricht, beantwortet von Andreas Auwärter, Koordinator der AG-Podcasting / eLearning an der Universität Koblenz – Landau.  


Frage 1: Wie definieren Sie „Podcast“ und „Podcasting"?


Podcast_Auwaerter.jpg

Es handelt sich bei obiger Grafik, die Sie hier in PDF-Format größer betrachten können, um eine Aufarbeitung von Impressionen und Expressionen, gesammelt auf dem Podcastday 2006 in Köln. Podcasting ist einheitlich definiert als die "Distribution eines Audio-Dokuments (ein Vodcast oder V-log auch als Audio-Video-Dokument) in Kombination mit einem verfügbaren RSS-Feed. Diese Definition ist rein technisch und dagegen steht eine Vielzahl von Bedeutungen und Verortungen, mit denen Podcasts – schon von ihrem Selbst-Verständnis her – gestaltet werden und wirken möchten.

Meines Erachtens geht es – in Anbetracht der anspruchsvollen Verortung der "audio-basierten Community" – beim Verständnis eines Podcasts über die Distribution eines Tondokumentes über ein RSS-Feed hinaus, denn alle kommunikations-förderlichen zusätzlichen Medien gehören ebenso unmittelbar zu dem Podcast dazu. Somit auch das eventuell verknüpfte Blog, in das der Podcast eingefügt ist und das mithilfe seiner Kommunikationsstruktur (zum Beispiel Kommentarfunktion, textueller oder auch auditiver Art) weitere Gestaltungsmöglichkeiten bietet.

Frage 2: Podcasts im Unterricht – wo sehen Sie mögliche Einsatzbereiche?

Ich sehe viele Einsatzbereiche. Zuerst kommt der an vielen Stellen geforderte Einsatz eines Podcasts als Konservierungsmedium von Veranstaltungsinhalten. Dieser hat natürlich Vorteile, birgt aber auch einige Risiken, wie beispielsweise die Gestaltung eines solchen Vorhabens auf die Interessen der Schülerinnen und Schüler exakt abzustimmen.
 
Dagegen steht ein ganz anderer möglicher Ansatz, einen Podcast als Publikationsplattform für die Ergebnisse und Prozesse! von Schülern wahrzunehmen. Ihnen könnte auf diesem Weg ein kreativer Umgang mit erlernten Inhalten, Vertiefungsmöglichkeiten etc. geboten werden. Aber auch mehr, doch darauf soll an anderer Stelle Bezug genommen werden.
Dazwischen steht die Idee, nicht eine Veranstaltung zu konservieren, sie nicht nur durch Schülerinnen und Schüler zu gestalten, sondern dazwischen sie zu bereichern. Hierbei kämen inhaltlicher Art nicht unmittelbar Lehrinhalte in ihrer Vermittlung zum Einsatz, sondern vertiefende Informationen, Fachinformationen von Experten, Ergänzendes, Vertiefendes, Reflektierendes, .... 

Der Vorteil eines solchen Ansatzes liegt darin, zusammen mit den Lernenden (innerhalb der Schule, aber auch außerhalb der Schule, als Interessierte bezeichnet) in einen dialogische-diskursive Kommunikation zu kommen, wie sie vielleicht innerhalb von traditionellen Unterrichtsszenarien nicht möglich wäre.

Das leitet auch schon zur Frage 3: Was spricht Ihrer Meinung nach für das Erstellen und Rezipieren von Podcasts im Unterricht?

Ich möchte an dieser Stelle noch etwas zur Eingangsfrage ergänzend hinzufügen: Nach meinem Dafürhalten geht es im Kontext des Podcasting, gerade, wenn man den Aspekt einer Community berücksichtigt, im Verständnis nicht um ein Produkt. Nimmt man die vielen sequenziell aufeinanderfolgenden Episoden (im amerikanischen Sprachgebrauch als Shows etabliert) als Prozess, so sehe ich die Möglichkeit für Lehrende und Lernende im kreativen Umgang mit einem Sachinhalt. Nicht nur die sprachnahen oder den akustischen Medien nahen Unterrichtsfächer (wie zum Beispiel Musik, Fremdsprachen oder Deutsch) können hierbei einen unmittelbaren Gewinn erzielen. Auch in der Vertonung einer Sachinformation, je nach Aufgabenstellung, liegt ein gewaltiges Lernpotenzial, wenn Schülerinnen und Schüler das, über das sie sich gerade lernend informiert haben, für einen Medienkomplex entsprechend aufarbeiten und in einer Art Rollenwechsel nun in die Vermittlerrolle der Information schlüpfen. Das Verständnis des Ganzen als Prozess, nicht als abgeschlossenes Produkt, hat hierbei zweierlei Perspektiven im Auge: Zum einen ist es hierdurch möglich, den Aktiven in diesem Bereich trotz der Öffentlichkeit, in der das Medium steht, den "Druck des Perfekt-sein-Müssens" zu nehmen. Zum anderen entbindet dies nicht von einer gewissen Sorgfalt bei der Erstellung von Bausteinen und Elementen eines Podcasts, über rechtliche Fragen bis hin zur Nachbetreuung von eventuellen Rückfragen/Rückmeldungen.
Mit der Sorgfaltspflicht einher geht auch die Beantwortung der nächsten Frage.

Frage 4: Welche technischen Voraussetzungen sowie Kenntnisse auf LehrerInnen- und SchülerInnenseite müssen gegeben sein?


Im Prinzip wenig. Die von uns (AG-Podcasting | Bildung im Dialog) verwendete Software ist frei verfügbar und leicht, nach ein wenig Einarbeitungszeit, zu bedienen. Ein Aufnahmegerät, für das aufgrund der hohen Qualitätsstandards schon manch ein mobiler Computer geeignet ist, ein Schneideprogramm, Speicherplatz im Internet mit entsprechendem administrativen Zugriff, eine straffe Zeitorganisation / Planung, Ideenreichtum und Umsetzungspotenzial reichen vollständig aus. Auch die Sprachnotizfunktion von Mobiltelefonen hat uns schon überraschend gute Ergebnisse geliefert. Schwieriger ist die Frage des rechtlichen Rahmens. Hierbei sollten insbesondere die Frage nach einem guten Umgangsstil untereinander, aber auch die des Urheberrechtes geklärt und mit den Schülerinnen und Schülern durchgesprochen worden sein. Auch entsprechende Vorgaben, die den allgemeinen Charakter des Internet haben, wie beispielsweise das Vorhandensein einer Datenschutzerklärung, eines Impressums, einer Übernahme der Verantwortung im Sinne des Presserechtes etc. sollten im Vorfeld mit den entsprechenden Stellen abgeklärt sein, um vor entsprechenden juristischen Überraschungen zu schützen. Meine Erfahrung zu den technischen Belangen bestätigt sich von Seminar zu Seminar, dass sich Schülerinnen und Schüler sowie Studentinnen und Studenten wundersam gerade im Handling der Technik hervorragend ergänzen. Von daher war immer mein Ziel, dass sie das Medium Podcast irgendwann zu "ihrem" Podcast machen. Dies ergibt sich in der Regel besonders schnell dann, wenn auf einmal Rückmeldungen von "außen", also außerhalb der schulischen Einrichtung, mit entsprechender Qualität den Produzierenden eine Wertschätzung vermitteln. Dies lässt sich jedoch nicht planen, jedoch in der Planung berücksichtigen. Im Podcast "Room 208", jetzt "Room 209" von Bob Sprankle, Wells, USA, kann dies ziemlich gut nachgezeichnet werden, wie dieses Schülerprodukt von engen Kreisen eine inzwischen weltweite Wahrnehmung von Schülerinnen und Schülern gleicher Altersgruppe und darüber hinaus führen könnte.

Auch an dieser Stelle ergibt sich eine Überleitung zur nächsten Frage 5.

Frage 5: Können Sie uns von ein paar Best-Practice-Beispielen von Podcasts im Unterricht berichten?

Ich mag von den vielen verschiedenen Prozessen, die sich um Podcasts in der Lehre und auch im Unterricht entwickeln, besonders ein Beispiel hervorheben, dass an obiger Stelle schon Erwähnung fand: Room 208 (erreichbar unter http://www.bobsprankle.com/blog/).
Dieses Schülerprojekt ist gerade ziemlich im Wandel (Weggang von Mr. Bob Sprankle, neue Lehrkräfte, Umzug von Room 208 in 209), doch unter den Hinterlassenschaften findet sich eine wunderbare Vodcast-Episode (http://bobsprankle.com/podcasts/0506/rm208vodcast.mov), in der die Schülerinnen und Schüler sich selbst und ihre Arbeitsweise und Einbettung in das Unterrichtsszenario vorstellen. Für mich ist diese Episode eine der inspirierendsten Quellen, zumal sie zu Fragen anregt und nicht nur Antworten liefern möchte und somit auch die Übertragbarkeit auf den "eigenen" Kontext ermöglicht.  
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