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Web 2.0 für die Schule
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Web 2.0 für die Schule
Das Schlagwort Web 2.0 ist in aller Munde. Ein neuer Hype oder der Beginn einer neuen Ära? Eines ist klar: Die Schule von heute kommt nicht mehr darum herum, Web 2.0 zumindest medienpädagogisch zu diskutieren. Web 2.0-Anwendungen können aber auch im Unterricht gewinnbringend eingesetzt werden. Unser Dossier beschäftigt sich diesmal umfassend mit diesem Thema.
Was ist eigentlich Web 2.0? Im Wesentlichen wird Web 2.0 durch zwei große Komponenten definiert – die technische und die soziale. Auf der technischen Seite machen es Entwicklungen wie AJAX möglich, Web 2.0-Applikationen umzusetzen – AJAX erlaubt, dass gewisse Teile einer HTML-Seite bei Bedarf nachgeladen werden.
Weit wichtiger ist die soziale Komponente. Durch diese Entwicklung wurden die Userinnen und User 1.0 zu den Producern 2.0, die Nutzer zu Anbietern. Das „alte“ Internet bestand aus Verknüpfungen von Websites (Links), das „neue“ Internet besteht nunmehr in der Verknüpfung von Personen (siehe Interview mit Prof. Peter Baumgartner). Zahlreiche Medienexperten sprechen von einer Medienrevolution, und die Angst sitzt einigen Mediengrößen im Rücken, wenn von Weblogs, Podcasts und dergleichen die Rede ist.
Weblogs sind einfache Content-Management-Systeme. Mithilfe eines Blogs kann jeder seine Mitteilungen der Welt zur Verfügung stellen. Im Gegensatz zu einer einfachen Website ist hier jedoch die Möglichkeit der Kommunikation über Antworten und Kommentare gegeben. Jede neue Nachricht kann kommentiert werden, zu jedem neuen Eintrag können sogenannte „Postings“ hinterlassen werden.
Im Prinzip bieten Medien wie www.derstandard.at schon lange diese Funktion der Community-Bildung an. Mittels eines Weblogs können Sie aber Ihr eigener Online-Standard sein.
Dass sich Autoren von Weblogs zu Konkurrenten von Nachrichtenagenturen entwickeln können, ließ sich z.B. während des Irak-Kriegs beobachten. Weblogs haben den Vorteil, unzensuriert berichten zu können. Sie müssen sich an keine diplomatischen Vorgaben halten. Angefangen von einer kritischen Medienanalyse bis hin zur Gestaltung und redaktionellen Betreuung eines eigenen Weblogs sind hier viele Anwendungen für den Unterricht denkbar.
Community
Ein Weblog schafft im Idealfall eine Community. Eine Interessensgemeinschaft, welche sich ständig über gemeinsame Themen austauscht. Auch diese Entwicklung ist nicht neu, und gerade im Bereich der Jugendlichen gab es schon lange Webportale wie uboot.com, die sich jedoch nicht richtig durchsetzen konnten. Der Trend, sich im Internet zu präsentieren, aus der Anonymität herauszutreten, war schon lange vor YouTube, MySpace etc. vorhanden. Der Unterschied zu bisherigen Webportalen ist die mittlerweile erstaunliche Anzahl von Teilnehmenden. Durch einfache Bedienung und einen gewissen Hype, der manchmal nicht nachvollziehbar und auch schwer steuerbar ist, haben sich diese Portale gegenüber anderen durchgesetzt. Natürlich lädt nun jeder seine eigenen Inhalte auf jene Portale, die ihm ein größeres Publikum ermöglichen.
Eine wichtige medienpädagogische Auseinandersetzung in der Schule in Bezug auf diese Web 2.0-Applikationen betrifft sicherlich den Bereich Datenschutz. Viele Userinnen und User geben unbedarft persönliche Informationen auf solchen Plattformen preis. Ohne paranoide Gedanken überzustrapazieren: Man sollte schon bedenken, dass MySpace von Rupert Murdoch, dem mächtigsten Medienmogul der Welt, und YouTube von Google, dem mittlerweile mächtigsten Internetkonzern weltweit, kontrolliert wird.
Hier ergeben sich auch interessante Fragestellungen im Bereich der politischen Bildung. Inwieweit ist die Demokratisierung des Internets wirklich demokratisch? Oder ist das nur eine Blase, die von oben kontrolliert wird? Inwieweit können politische Inhalte kontrolliert werden? Ist das überhaupt sinnvoll und was ist mit radikalen Inhalten?
Der Geschäftsführer der beliebtesten Studenten-Community im deutschsprachigen Raum kam als Anbieter politisch zweifelhafter Domains in die Medien. Auch hier stellt sich die Frage politischer Manipulationsmöglichkeiten, die kritisch zu betrachten sind.
Gemeinsamer Wissenserwerb
Der gemeinsame Erwerb von Wissen ist ein weiterer Wesenszug von Web 2.0. Herausragendstes Beispiel dafür ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Alle haben hier die Möglichkeit, Beiträge zu verfassen und das so gesammelte Wissen anderen zur Verfügung zu stellen. Ein Vorteil eines Wikis ist, dass auch sämtliche Veränderungen dokumentiert werden, wodurch auch die Entstehung eines Beitrags verfolgt werden kann. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern einen Wiki-Beitrag zu verfassen, ist sicherlich eine Möglichkeit, den Web 2.0-Gedanken in der Schule zu manifestieren.
Social Bookmarking ist eine weitere Möglichkeit, Wissen anderen zur Verfügung zu stellen. Hierbei speichert man seine Favoriten nicht wie üblich im eigenen Browser ab, sondern stellt sie über ein Social-Bookmarking-System anderen vor. Man versieht die Bookmarks mit Schlagworten (Tags), wodurch sie kategorisierbar und für andere zuordenbar werden. Im Idealfall lernt man andere Menschen kennen, die zum selben Themenbereich Bookmarks sammeln, und wieder kann sich die Bildung einer Community ergeben.
Web 2.0 ohne Öffentlichkeit ist nicht Web 2.0
Es genügt in der Schule also nicht, sich mit Web 2.0-Applikationen im Klassen- oder Schulrahmen zu beschäftigen – ein Hinaustreten in die Welt gehört dazu. Daher zählt die Sensibilisierung der Schüler und Schülerinnen dafür, welche Inhalte nun publiziert werden, auf jeden Fall zu den wichtigsten medienpädogischen Aufgaben in diesem Rahmen.
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre unseres Web 2.0-Dossiers!
(pea)
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