„Vermoodlet euch“ oder: was die e-LISA Sommerakademie 2007 lehrt
Seit 10 Jahren widmet sich e-LISA academy insbesondere im Rahmen der e-LISA Sommerakademie der Online-Weiterbildung von Lehrkräften. Thematisch und inhaltlich ging es bislang schwerpunktmäßig um die Nutzung von Computer und Internet im schulischen Unterricht und das dafür notwendige technische und insbesondere didaktische Wissen. Ende 2005 hat Moodle sich e-LISA academy quasi „ausgesucht“. Man kann es nicht anders ausdrücken: Moodle war plötzlich da, hat uns – vorab mit dem Projekt edumoodle – einfach in Beschlag genommen. Und seitdem nehmen die Dinge ihren „moodeligen“ Lauf …
Zwei Fakten, die die Relevanz und Tragweite des Themas verdeutlichen und klarmachen, warum wir gar nicht anders können als zu „moodlen“:
- Das Projekt edumoodle: Mit der Ansage „Wer will, der kann“ hat das BMUKK e-LISA academy und EDUCATION HIGHWAY beauftragt, Moodle als Application-Service für alle Schulen, die keinen eigenen Moodle-Server betreiben können oder wollen, kostenlos anzubieten. Nach etwas über einem Jahr Projektlaufzeit nützen bereits über 550 Schulen und ähnliche Institutionen in Österreich dieses Service! Mittlerweile (Herbst 2007) sind es an die 800.
- Anfang März 2007 haben wir für alle diejenigen, die nach einer unkomplizierten (und nicht mit Reisenotwendigkeiten verbundenen) Möglichkeit suchen, Moodle besser kennen und nützen zu lernen, ein vierwöchiges, kooperatives Online-Seminar mit dem Titel „Moodlen lernen“ angeboten. Dieses war binnen Minuten ausgebucht. Auch die sofortige Verdreifachung des Angebots hat nichts daran geändert, dass insgesamt 36 SeminarteilnehmerInnen eine Warteliste mit 650 Interessierten gegenüberstand, die nun im Rahmen der diesjährigen e-LISA Sommerakademie „abgearbeitet“ wird.
„Moodlen lernen“ – voneinander, miteinander
Um eine Warteschlange von so vielen Interessierten zu bedienen, entschieden wir uns, während dreier Monate das Online-Seminar „Moodlen lernen“ 40 bis 50 Mal parallel bzw. zeitlich gestaffelt anzubieten.
Die organisatorischen Herausforderungen hielten sich dabei – zugegeben: erwartungsgemäß –in Grenzen. Allerdings nur aus zwei Gründen:
- gibt es bei Online-Seminaren keine Raumnot (und kein überfordertes Reiseetat);
- fiel es uns auf Grund unseres österreichweiten Netzwerks tatsächlich relativ leicht, die erforderliche Anzahl der Trainerinnen und Trainer in sehr kurzer Zeit zu finden.
Wir wären sogar imstande gewesen, bei Bedarf noch während der laufenden Sommerakademie das Seminar-Angebot erheblich aufzustocken, was verdeutlicht, dass Online-Seminare nicht nur eine intensive und (dennoch) kostengünstige, sondern auch sehr flexible Form der Weiterbildung darstellen. (So „dick“ ist es dann allerdings nicht gekommen. Ein erklecklicher Teil der auf der Warteliste Befindlichen hat es vorgezogen, in den Ferien einfach Ferien zu machen und das Moodlen-Lernen auf Herbst-oder-so zu verschieben … ;-)
Wirklich spannend war an dem Vorhaben aber aus unserer Sicht – und damit sind wir beim Kernstück dieses Beitrags angelangt –, dass das sommerliche Vorhaben der Moodlen-lernen-Seminare in mehrfacher Hinsicht ein Experimentierfeld darstellt:
- In etwa 30 Trainerinnen und Trainer mit durchaus unterschiedlichem Hintergrund (aus unterschiedlichen Schularten und Bundesländern; tw. Studierende, tw. Lehrende an Fachhochschulen und Universitäten bzw. Pädagogischen Hochschulen) …
- arbeiteten parallel mit dem gleichen, schon sehr positiv evaluierten und in der Praxis erprobten Kurskonzept …
- … und trainierten damit in etwa 500 Lehrkräfte aus ganz Österreich.
Es war also in diesem Rahmen möglich, von einer gemeinsamen, vergleichbaren Basis ausgehend unterschiedlichste Vorerfahrungen und Vorkenntnisse zu kombinieren und einen einzigartigen Vorgang des Voneinander-und-miteinander-Lernens zu erleben.
Dieses Lernen ereignete sich einerseits bei den Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern, die in Gruppen von maximal 12 jeweils über eine Zeit von vier Wochen hinweg zuerst einmal ein „G’spür“ für Moodle entwickelten und über technische Grundlagen und didaktische Überlegungen hinweg auch mit einer konkreten Praxisarbeit zeigten, dass sie das Gelernte verstanden haben und anwenden können. Ganz nebenbei sind während des Sommers auch Ansätze einer „Community of Practice“ von Personen mit vergleichbarem professionellen Hintergrund und vergleichbaren Erfahrungen entstanden, wobei die Absolventinnen und Absolventen des Seminars darüber hinaus den Vorteil genießen, mit Personen in einem Seminar zu „sitzen“, die sie in „klassischen“ Fortbildungsgängen nie kennengelernt hätten. Dem wurde über die Seminare hinaus mit der Inbetriebnahme des Konferenzzimmers Rechnung getragen:
http://seminare.e-LISA-academy.at
Dieses Lernen ereignete sich aber andererseits – und das war aus Sicht einer Organisation wie der unseren mindestens ebenso spannend – auch zwischen den Trainerinnen und Trainern und deren Herkunftsorganisationen in jeglicher Richtung (und war auch nicht immer konfliktfrei). Wir haben mit den Moodlen-lernen-Seminaren also ein Experimentierfeld, eine „Lernumgebung“ aufgespannt, wo den Beteiligten Einblicke in andere Lern- und Lehrkulturen, methodische Vorgangsweisen, begriffliche Welten, Traditionen und Techniken der Wissensvermittlung offen standen. Man konnte sich daran bereichern, man konnte sich daran reiben, man konnte darüber diskutieren. Man konnte manches verändern, abwägen, verbessern, gleich lassen.Unser Ziel bei dem Unternehmen war jedenfalls, dass alle Beteiligten nach diesem Experiment zumindest in zweifacher Hinsicht dazugelernt haben: erstens hinsichtlich des Wissens und der Kenntnisse, die man durch den „Blick über den Gartenzaun“ in die eigene Praxis inkorporieren konnte; zweitens aber auch hinsichtlich der Schärfung des eigenen, je unterschiedlichen Selbstverständnisses und damit hinsichtlich der Vergewisserung des eigenen Arbeitsschwerpunktes und der eigenen Methoden. Wir als organisierende Institution hatten natürlich noch das Interesse, das bislang erarbeitete Moodlen-lernen-Seminarkonzept weiter zu verbessern und damit in nächsten Angebotsphasen über eine noch bessere Grundlage für unser Seminarangebot zu verfügen.
Nicht als Ziel definiert, aber dennoch erreicht haben wir auch Folgendes: eine TrainerInnen-Community, die ihresgleichen sucht. Und die es auch ermöglicht, nach etwas zu fragen, was man selbst noch nicht weiß. Niemand weiß alles. Aber in dieser Community ist auch die Offenheit und die Größe da, diese „weißen Flecken“ zuzugeben und von den anderen „füllen“ zu lassen: O-Ton einer Trainerin: „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“
Nachsatz: Wohin uns das alles hoffentlich führen wird …Genau genommen nicht nur uns, sondern auch (mindestens) die Pädagogischen Hochschulen ab Herbst 2007, denen wir dieses (und nicht nur dieses) Seminarkonzept und die damit verbundenen Erfahrungen – ermöglicht durch eine Subvention des BMUKK – zur Verfügung stellen. Für uns ist die Arbeit im Moodlen-lernen-Konzept ein exemplarischer Prototyp, wie gemeinsame Entwicklung von Konzepten, Content und Lehre im Rahmen der Lehrkräfte-Ausbildung grundsätzlich organisiert werden und gelingen kann. Diesen Prototyp analog zu vervielfachen und strukturell auf andere Bereiche und Themen zu übertragen, wird Arbeit der nächsten Monate sein.
… und wo wir schon sind
Die in Kürze am 30.9. zu Ende gehende e-LISA-Sommerakademie war ein voller Erfolg! Über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die zwischen drei und vier Wochen intensiv in Lerngruppen von maximal 12, betreut von einem Coach und zeitlich im Ausmaß von über einem ECTS (25 Lernstunden) gemeinsam die „virtuelle Schulbank“ drücken. Die ersten Auswertungen der Evaluationen sind hervorragend. Der Notenschnitt der Seminare beträgt 1,39! Die folgenden Zitate von Usern sollen abschließend noch einmal zeigen, dass „Lehrerbildung 2.0“ hiermit entwickelt und getestet ist und funktioniert:
- Man kann von zu Hause aus arbeiten, kommt miteinander in Kontakt und hat noch zusätzliches Material.
- Vielleicht könnte man bis in die Direktionen die Kunde verbreiten, dass hier sehr hochwertige (!) Kurse angeboten werden und Abschlüsse durchaus hoch zu bewerten sind!
- Natürlich muss ich meine "Hausaufgaben" nach wie vor alleine machen, aber die Möglichkeit, sich mit anderen KursteilnehmerInnen auszutauschen (und das nicht nur themenbezogen), sich gegenseitig zu unterstützen und zu helfen, kurz: voneinander zu profitieren, gefällt mir ausgesprochen gut.
Abschließend O-Ton gefällig? Das meint Sommerakademie-Absolventin Ingrid Papst-Gerstl: mms://cache10.stream.eduhi.at/educastod/
elisa/edumoodle/int_papst-gerstl_v01.wmv
(nat )