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Sicherheitsrisiken bei der Internetnutzung – ein Interview mit Mag. Edith Huber.

Huber.jpgMag. Edith Huber forscht und lehrt an der Donauuni Krems sowie an der FH St. Pölten mit den Schwerpunkten Techniksoziologie, Technikfolgenabschätzung, Gewalt und Medien und Sicherheitsforschung. e-LISA academy befragte sie zu möglichen Risiken und Gefahren im Umgang mit Social Software.

Welche Gefahren sehen Sie in der Verwendung von Social Software?

Ich verstehe unter Social Software Systeme, die der menschlichen Kommunikation und Interaktion dienen, diese haben in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Generell sehe ich ein großes Potenzial in den Anwendungen der Social Software. Sie ermöglichen das Finden, Bewerten und Verwalten von Informationen (Informationsmanagement), die Darstellung von Aspekten seiner selbst im Internet (Identitätsmanagement) und sie ermöglichen, Kontakte abzubilden sowie neue zu knüpfen. Probleme, die ich im Allgemeinen mit den Entwicklungen der Informationsgesellschaft durch Internet, E-Mail, Chat u.dgl. sowie mit Web 2.0 im Konkreten sehe, sind eher von psychosozialer und datenschutzrechtlicher Seite. Vor technischen Problemen werden wir durch immer neuere Technologieentwicklungen geschützt. Der Umgang mit Information und Kommunikation verlangt jedoch Ethik und Sozialkompetenzen. Der ethische Aspekt bezieht sich auf die Art der Kommunikation. Es stellt sich die Frage, mit welchem Medium vermittelt man welche Art von Inhalten. Dies hat sich in den vergangenen Jahren erheblich geändert. Selbst private Probleme werden heutzutage über die Neuen Medien ausgetragen und öffentlich in Communities zur Schau gestellt. Es gibt noch keine „geregelten Werte“ im Cyberspace. Der Umgang mit Kommunikation, Information und Interaktion muss neu überdacht werden. Das führt oftmals zu datenschutzrechtlichen Problemen. Hier ein Beispiel, um die Problematik näher darzustellen: Bei einer Party wird ausgiebig gefeiert. Herr Meier ist betrunken und wird dabei gefilmt. Am nächsten Morgen befindet sich dieser Film im Internet. Zugleich soll Herr Meier in seinem Unternehmen befördert werden. Der zuständige Personalchef recherchiert im Internet über ihn und findet den Film, worauf Herr Meier die Stelle nicht mehr erhält. Daten, die im Netz verfügbar sind, können auch von allen eingesehen werden und schützen nicht vor Konsequenzen.

Welche medienpädagogischen Ansätze sollen Lehrerinnen und Lehrer hier verfolgen?

Mit zahlreichen ProjektpartnerInnen* haben wir, die Donau-Universität Krems, eine Projektinitiative namens „Safer Surfing 4Youth“ geplant. Das Thema Daten- und Informationssicherheit gewinnt im elektronischen Medienzeitalter verstärkt an Bedeutung. Auch früher behandelten österreichische Sicherheitskonzepte die Gefahren prekärer Informationsinfrastrukturen, doch durch die zunehmende Verbreitung und intensivere Internetnutzung entstehen neue Bedrohungsszenarien. Besonders für Jugendliche nimmt das Risiko aufgrund der hohen Nutzung des Mediums zu. Der Zugang zu sich ständig erweiternden Internetdiensten steht ihnen immer früher und oft ungeleitet offen. Da viele SchülerInnen zu wenig über sicheres Verhalten im virtuellen Raum Bescheid wissen, kann eine verstärkte Aufklärung dieser Zielgruppe langfristig dazu beitragen, die Gefahren zu minimieren. Die wesentlichen Ziele des Projektes sind die Erstellung eines österreichweit einsetzbaren Ausbildungskonzepts im Bereich Informationssicherheit für SchülerInnen, Erarbeitung bewusstseinsbildender Maßnahmen zur Sensibilisierung für das Thema Informationssicherheit bei Jugendlichen sowie die Entwicklung einer Informationsstrategie für alle Stakeholder (LehrerInnen, Eltern usw.). Wir werden uns in diesem Projekt sehr stark mit der Ethik und den psychosozialen Aspekten beschäftigen und v.a. mit der Fragestellung, mit welchen didaktischen Konzepten man diese in den Unterricht implementieren kann. Wir setzen sehr stark auf Game Based Learning und Blended-Learning-Konzepte, um den spielerischen Umgang mit der Thematik zu vermitteln.

Welche Möglichkeit einer Verbesserung der Sicherheit im Web 2.0 gibt es bzw. sehen Sie?

Web 2.0 an sich beschreibt eine Reihe interaktiver und kollaborativer Phänomene des Internets, speziell des WWWs. D.h., es beschreibt vielmehr eine Situation einer Community und versteht sich in erster Linie als Schlagwort. Bei der Frage nach der Sicherheit stellt sich vordergründig die Frage, wer geschützt werden soll. Dadurch, dass immer mehr User in das Geschehen eingebunden werden, stellt sich vonseiten der IT-Security die Frage, wie schütze ich mein System. Das betrifft in erster Linie die Unternehmen, die Internetdienste anbieten. Richtet sich der Sicherheitsaspekt an den Einzelnen, so kann man nur festhalten, dass die Lösungen nicht im Bereich der Technik, sondern in der Art der Mediennutzung, also wieder in der Ethik und im Umgang mit personenbezogenen Daten, zu suchen sind.

Was kann der Einzelne tun, um sicher durch das Web 2.0 zu kommen?

Es gilt vorab für jeden zu entscheiden, welche Daten stellt man wann, wo, wie zur Verfügung. Mit welchen Portalen oder Softwarelösungen arbeite ich? Gibt es für diese Referenzen oder Kennzeichnungen, dass diese als vertraulich einzustufen sind? Vollkommenen Schutz gibt es nur, wenn man die Neuen Medien nicht nutzt, obwohl das ein Szenarium ist, das in der heutigen Gesellschaft kaum mehr möglich ist.

Vielen Dank für das Interview!

* BMUKK (Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur), BKA (Bundeskanzleramt), Fachhochschule St. Pölten GmbH – Studiengang IT Security, milestone GmbH, Landesschulrat für Niederösterreich, Landesschulrat für Burgenland, EDUCATION HIGHWAY Innovationszentrum für Schule und neue Technologie GmbH, Tiroler Bildungsservice, Pädagogische Hochschule Tirol


Zur Person:
Mag. Edith Huber zPM, Executive Head of Research and Development, Center for Applied Informatics, Donau-Universität Krems: Abschluss mit Diplom des Studiums an der Universität Wien in den Fächern Kommunikationswissenschaft, Psychologie. Schwerpunkte: Techniksoziologie, Technikfolgenabschätzung, Gewalt und Medien, Sicherheitsforschung. Jahrelange Forschungs- und Unterrichtserfahrung an der Fachhochschule St. Pölten GmbH und Donau-Universität Krems.

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