Thomas Rau – Ein Interview mit dem bloggenden Lehrer
Thomas Rau ist in der Bloggerszene schon lange kein Nobody mehr, hat er es doch mit seinem amüsanten und interessanten Lehrerblog „Herr Rau“ www.herr-rau.de/wordpress bereits zu großer Bekanntheit gebracht. Martin Sankofi von e-LISA academy befragte Thomas Rau zum Bloggen als Lehrer.
e-LISA academy: Wenn du dich vorstellen müsstest, wie würdest du das machen?
Thomas Rau: Ich heiße Thomas Rau, bin 40 Jahre alt und Lehrer für Deutsch, Englisch und Informatik in Fürstenfeldbruck bei München und ich blogge.
Das ist wahrscheinlich eine rhetorische Frage, aber wieso bloggst du?
Ich blogge, weil es so viele schöne Sachen gibt, die ich den Leuten mitteilen möchte. Bin aber zu wohlerzogen, als dass ich ungefragt meiner Umwelt Sachen erzähle über das amerikanische Radio der 30er, 40er und 50er Jahre oder Comics oder sonstige Sachen. Durch Bloggen hab ich das Gefühl, niemandem zur Last zu fallen. Es muss mich ja keiner lesen. Da kann jemand, der es interessant findet, sagen: „schön“; wenn nicht, dann nicht. Ich blogge außerdem, um Sachen für mich festzuhalten. Ich hab nie Tagebuch geführt. Aber das Blog hat für mich schon ein bisschen auch diese Funktion. Ich erinnere mich, was ich vor drei Jahren mal gemacht habe, oder wann bestimmte Dinge passiert sind. Damit ich sie nicht vergesse, sondern festhalte, um sie später wieder mal durchgehen und sortieren zu können.
Du hast ja auch einen Lehrerblog. Siehst du den auch als solchen?
Stimmt, so hat es, glaub ich, auch angefangen. Ich wollte bloggen, um Sachen festzuhalten, aber letztlich auch, um für eine kleine interessierte Öffentlichkeit mal einen Einblick ins Lehrerleben zu geben. Die Blogs, die ich damals am interessantesten fand, waren Berufsblogs, von denen es sehr viele von Ärzten, Rechtsanwälten, Supermarktleitern, Leichenbestattern gibt. Diese geben Einblick in eine fremde Welt. Da wollte ich auch mal explizit als Lehrerblog ein bisschen aus dem Alltag eines Lehrers berichten. Ich hab allerdings festgestellt, dass es manche Dinge gibt, die ich nicht erzählen darf, und manche, die ich für zu selbstverständlich und gar nicht interessant halte. Dabei wissen die Leute darüber gar nicht Bescheid. Ich glaube aber, das definitive Lehrerblog fehlt noch.
Der Lehrerblog von Thomas Rau: http://www.herr-rau.de/wordpress/
Ich bewundere Leute wie dich, vor allem, woher ihr die Zeit hernehmt. Die Einträge sind ja oft sehr lang. Wie machst du das?
Die langen Beiträge schreiben sich manchmal sehr schnell. Ich habe aber auch angefangene Beiträge, über die ich mal längere Beiträge schreiben möchte, im Kopf. Wenn ich dann mal Zeit hab, um mich hinzusetzen, dann geht das relativ schnell. Dann schreib ich eine Stunde und dann war es das. Aber eben genau deshalb, weil ich den Beitrag dann schon eine Weile mit mir im Kopf herumgetragen habe. Das ist wie bei den Seminararbeiten, die man an der Uni schreiben musste. Meine Arbeitsweise war, mich erst zu informieren, Fachliteratur zu besorgen und zu lesen und dann das erst mal ruhen zu lassen im Kopf. Das eigentliche Hinschreiben der Arbeit, das ging dann in einer Woche. Ich sitze außerdem jeden Tag vorm Rechner, den ich direkt am Schreibtisch habe. Ich habe kein Auto und fahre mit der S-Bahn eine knappe Stunde zur Schule. Diese Zeit verbringe ich mit Lesen, wodurch ich auf relativ viel Lesezeit pro Tag komme. Zuhause arbeite ich dann im Internet. Ich bin verheiratet. Meine Frau arbeitet auch und kommt dann zu dem Essen, dass ich zubereite. Vorher hab ich genug Zeit, sowohl für die Schularbeit als auch für meine Blogeinträge. Es ist eben ein Hobby, und andere Leute finden auch Zeit für ihre Hobbys.
Das sehe ich auch so. Den Spaßfaktor sollte man auch nicht vergessen.
Genau. Und es entspannt mich und beruhigt mich auch. Wenn ich einen schönen Blogeintrag geschrieben habe, fühle ich mich wohl danach.
Du schreibst ja hauptsächlich über Erfahrungen und arbeitest weniger mit Materialien.
Ja, beim Bloggen auf jeden Fall. Aber ich habe das Gefühl – und darüber habe ich mich auch mit anderen Lehrern unterhalten, die da vorbildlich arbeiten –, dass wir Lehrer Materialien mehr für andere in nutzbarer Form zur Verfügung stellen sollten, zum Beispiel im Blog. Ich weiß noch nicht, wie ich es machen werde. Es gibt eine Mailingliste, auf der ich viel zu wenig aktiv bin. Vielleicht richte ich ein zweites Blog ein, nur für Material. Mein Ziel ist es eigentlich schon, mehr Material zur Verfügung zu stellen.
Gibt es in diese Richtung noch weniger Bestrebungen? Ich denke mir, dass viel tolles Material vorhanden sein muss.
Darüber, warum Lehrer auch in der Schule ihr Material so ungern tauschen, haben sich schon viele den Kopf zerbrochen. Ich weiß es auch nicht. Das ist, glaube ich, Trägheit, falsche Bescheidenheit, Scham oder Scheu. Es müssen ja auch nicht immer so aufwendige Materialien sein. Viele denken immer, dass man nur tolle und aufwendige Sachen online stellen kann. Einfache Wortsammlungen, Vokabellisten tuns ja auch schon. Wenn nur ein paar Prozent aller Lehrer Material zur Verfügung stellen, dann reicht das eigentlich.
Wäre es nicht sinnvoll, wenn sich Lehrer mit Blogs zu einem gemeinsamen Blog zusammentäten? Wie zum Beispiel mit Englisch, wo es schon einige Leute gibt, die ganz viel machen.
Ich habe keine Erfahrung mit Gemeinschaftsblogs. Aber so echte Gemeinschaftsblogs, wo zwei, drei, vier Leute gemeinsam schreiben, lese ich eigentlich wenig. Da hab ich wenig Erfahrung damit. Ich würde sicher mitmachen bei so was. Es müsste aber ein Thema geben. Also, diesen Vorzeigelehrer Herr Rau, den ich quasi mit meinem Blog erfunden habe, den würde ich auf jeden Fall beibehalten.
Bei dir im Blog hat man oft das Gefühl, dass sehr viel Interaktion passiert – über die Kommentare. Das sind ja jetzt auch nicht unbedingt Leute, die bei dir an der Schule sind, oder?
An meiner Schule gibt es drei, vier Lehrer, die regelmäßig bei mir mitlesen. Die Schulleitung weiß, dass ich blogge, von meinen Schülern lesen ein paar mit, aber kommentieren sehr selten. Von den Kollegen gibt’s einen, der ab und zu kommentiert. Die anderen drei haben früher mehr kommentiert. Jetzt lesen sie nur noch und sprechen mich manchmal auf meinen Blog an. Ansonsten sind die meisten, die bei mir kommentieren, tatsächlich Leute, die nicht an meiner Schule sind. Die ich auch nicht kenne.
Hast du Kontakte zu anderen Bloggern? Haben sich da auch schon Bekanntschaften oder Freundschaften entwickelt?
Bekanntschaften ja. Es stimmt, dass ich über das Bloggen viele Leute kennenlerne. Ich lese deren Blogs, und es entwickeln sich gute Bekanntschaften.
Danke dir recht herzlich!
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