E-Learning Conference Eisenstadt: Vortrag: (edu)moodle als Lernumgebung
Die E-Learning Conference Eisenstadt 2008 vom 11. bis zum 13.12.2008 bot den Rahmen für einen intensiveren Blick auf „Open Source in Österreich und europäische Entwicklungen“, so das Motto der Konferenz. In diesem Rahmen war es auch möglich, sich einen detaillierten Einblick in zwei österreichische Lernplattfor
m-Systeme, nämlich das bundesweit angebotene edumoodle und das im Burgenland entwickelte LMS (Lernen mit System) zu verschaffen. Die folgenden Zeilen dokumentieren den Vortrag von edumoodle-Projektleiter Thomas Nárosy in diesem Kontext.
Puchberg bei Wels / Eisenstadt – dieser Vortrag wurde von Thomas Nárosy im Rahmen der Konferenz via Skype gehalten.
(nat) Zwei Bemerkungen vorneweg, auf die ich im Anschluss an die Vorstellung von edumoodle am Schluss meiner Ausführungen nochmals zurückkommen möchte:
- edumoodle ist so etwas wie die „soziale Grundsicherung“ des österreichischen Schulsystems, was die Ausstattung mit einer Lernplattform betrifft.
- edumoodle ist der zweitbeste Weg, ein Lernmanagementsystem zu implementieren. Wie dieser Implementierungsprozess quasi als „best-practice-Modell“ laufen kann: das ist im Burgenland beim LMS zu studieren … (1)
moodle nützen können …
Die Initiative für edumoodle ging vom eLSA-Projekt und der Erfahrung (nicht nur) dieses Projekts aus, dass Lernplattformen als „eierlegende Wollmilchsäue“ des schulischen E-Learnings die „Nabe“ sind, um die sich E-Learning in der Schule „dreht“. Lernplattformen sind also notwendig, aber der Betrieb der entsprechenden Server ist für Schulen zunehmend schwierig, eigentlich unmöglich. Kosten, Expertise, Verfügbarkeit, Sicherheit – alles Gründe, zu sagen: Das Lernmanagementsystem soll einfach als „Application-Service“ aus dem Internet kommen. Die technische Entscheidung für moodle war im Jahr 2005, dem Geburtsjahr von edumoodle, eine einfache: Schon zu diesem Zeitpunkt erfreute sich moodle im Schulwesen breiter Akzeptanz. edumoodle startete also – nach einigen Vorlaufmühen – im Frühjahr 2006 als Service für eine geschlossene Gruppe von Schulen, die damit einen eigenen moodle-Server nützen konnten, ohne denselben betreiben zu müssen.
… ohne selbst einen moodle-Server betreiben zu müssen
Dann kam rasch der Tag, an dem vom edumoodle-Auftraggeber im bm:ukk, Mag. Helmut Stemmer, beschlossen wurde, das Wagnis einzugehen und die bis dahin geschlossene UserInnengruppe einfach zu öffnen – nach dem Motto: „Wer will, der kann!“ Mit der Rückendeckung von education highway, der als Betreiber von edumoodle die „Ausfallshaftung“ für das bm:ukk übernahm, die edumoodle-Nachfrage, die die vorhandenen bm:ukk-Mittel allfällig übersteigen würde, für eine Projektphase bis 2007 zu übernehmen, ging man – ausschließlich mit Mundpropaganda – ans Werk. Und wie die Schulen wollten! Bereits im Mai 2006 musste ein erster Anmeldestopp ausgesprochen werden – die Server waren bereits „in die Knie“ gegangen. Über den Sommer wurde die Hardware kräftig aufgestockt. Und seitdem steigen die BenutzerInnenzahlen linear (derzeit 1.500 Institutionen, davon etwa 1.300 Schulen; ca. 200.000 angemeldete UserInnen), die Zugriffszahlen aber exponentiell. Derzeit läuft edumoodle verteilt auf zwei Rechenzentren in Linz und Wien und stellt weltweit (nach der OpenUniversity.uk) die zweitgrößte moodle-Installation dar.
„Wer will, der kann!“
edumoodle ist ein
- leicht zugängliches (Onlineformular bei www.edumoodle.at herunterladen, ausfüllen, abstempeln und wegschicken; und nach kurzer Bearbeitungszeit hat man seine moodle-Instanz)
- durch einigen Support (insbesondere per E-Mail, weiters Selbstlernkurse sowie einige einschlägige Online-Seminare bei e-LISA academy) unterstütztes, aber
- nichts desto weniger sehr schlankes BASIS-Service.
Wer edumoodle bestellt, bekommt „nacktes moodle“, wie Martin Dougiamas (Anm.: der „Vater“ von moodle) es schuf.“ Man kann schnell loslegen, man muss sich allerdings das notwendige Wissen dafür „besorgen“. Und die Vielfalt der Möglichkeiten erschließt sich erst bei ausführlicherer Beschäftigung mit moodle. Wenn man so möchte, ist man hier sowohl bei der großen Stärke als auch – wie könnte es anders sein – der Schwäche von edumoodle angelangt: edumoodle ist nicht „E-Learning out of the box“. Man muss dem konstruktivistischen Ansatz im wahrsten Sinn des Wortes Genüge tun und sich seine Lernumgebung erst einmal konstruieren. Und das bedeutet (Ein-)Arbeit(ung). Dafür hat man mit edumoodle aber auch unglaubliche Freiheiten, Möglichkeiten, Flexibilität und kann die Lernumgebung de facto grenzenlos ausdehnen. Wenn man kann und will …
Die edumoodle-Erfahrungsbilanz nach über zwei Jahren Projektbetrieb:- edumoodle unterstützt innovativen, individualisierten Unterricht. edumoodle ermöglicht „PoweruserInnen“ eine neue Dimension der Lernplattform-Nutzung hinsichtlich Zugänglichkeit, Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit. Und gerade kleine und mittlere Schulen (beispielsweise Hauptschulen), für die im Gegensatz zu größeren Schulen die Möglichkeit zum Betrieb eines eigenen moodle-Servers von vornherein aus Ressourcengründen oft unmöglich wäre: diese Schulen sehen sich nunmehr dank edumoodle keinen Lernplattform-Betriebshindernissen im Schulalltag gegenüber, selbst wenn das eigene Bundesland kein einschlägiges Service anbietet.
- edumoodle fördert PionierInnen in schulentwicklungs-bzw. E-Learning-widrigen „Habitaten“. In vielen Schulen sind die – manchmal lautstark geäußerten, manchmal hinhaltenden – Widerstände gegen schulische Innovation mittels E-Learning nach wie vor groß. Engagierte Lehrkräfte hatten in den Zeiten vor edumoodle in solchen Schulen de facto keine Möglichkeit, ihre Unterrichtsvorstellungen mit E-Learning zu realisieren. edumoodle eröffnete diesen PionierInnen einen „Bypass“. Dies ist wohl einer der wichtigsten Gründe für das beeindruckende Wachstum der edumoodle-Community.
- edumoodle spart Geld. Bereits im Vergleich der Hardwarekosten professioneller Systeme, die entweder dezentral an jeder Schule bzw. zentral in einem Rechenzentrum anfallen, zeigt sich der Kostenvorteil von zentralen Systemen. Dramatisch fällt der Vergleich allerdings bei den Personalkosten aus: Der laufende Wartungs-, Support- und Entwicklungsaufwand fällt bei einem zentralen System nur einmal an, egal wie viele hundert (oder tausend) Instanzen serviciert werden.
- edumoodle vernetzt Menschen, Initiativen, Inhalte. Schon die schulinterne Vernetzung öffnet Klassenzimmer- und andere Türen, erlaubt Zusammenarbeit und Interdisziplinarität, stellt aber erst den Anfang der Palette der Möglichkeiten dar. edumoodle hat sich in der Bildungsvernetzung als „lingua-franca“ bewährt – ob der einfachen Zugänglichkeit gerade auch für Schulen wie beispielsweise „proprietären“, landeseigenes Lernplattformsystem. Auch ist mit edumoodle eine, vielerorts schon seit langem eingemahnte, aber eben schlechterdings nicht erzwingbare Entwicklung sprunghaft angewachsen, nämlich der Austausch von Lernhinhalten. Bestes Beispiel hierfür: www.edumoodle.at/lernmit
edumoodle-Finanzierung bis auf weiteres gesichert!Wie geht es mit edumoodle weiter? Bis auf weiteres ist die Finanzierung durch das bm:ukk gesichert. (Und auch von Seiten des education highway gibt es ein klares Bekenntnis zum Weiterbetrieb von edumoodle – wenn alle „ministeriellen Stricke“ irgendwann einmal doch reißen sollten und auch keine Länder als Finanziers einspringen, dann eben in Zukunft auf Selbstzahler-Basis mit ein paar Euro „Mitgliedsbeitrag“ monatlich. Also keine Sorge, dass jemand, der schon „moodle“ gelernt hat, jetzt in absehbarer Zeit das alles wieder „vergessen“ müsste …)
Die Finanzierungsfrage führt aber jetzt schnurstracks zu den eingangs angeführten Statements: Was man nämlich mit einem Lernmanagement-Systems – wenn es in einem Bundesland integriert und konzertiert eingeführt wird, wenn es verpflichtende Schulungen gibt, wenn Hotlines, Content-Services und sogar Online-Trainingsmöglichkeiten für SchülerInnen existieren, und wenn man insbesondere auf Landesebene auch bereit ist, das dafür notwendige Geschäftsmodell zu entwickeln und durchzusetzen – tatsächlich bewegen kann, das kann man im Burgenland studieren. Nicht zuletzt das LMS hat das Burgenland in gewisser Weise zu einem E-Learning-Musterland gemacht.
Von (guten) Grund- und (besseren) Aufbauservices
Die Philosophie von edumoodle ist keine, die landeseigene Initiativen ersetzen möchte (und allein finanziell auch gar nicht könnte): edumoodle verhält sich zu Services wie dem LMS komplementär. Ein Basisservice (eben: soziale Grundsicherung – und das „sozial“ ist im Sinne von E-Inclusion wörtlich zu nehmen!), das – schlank, aber verlässlich – fehlende Infrastruktur ersetzt oder eigene Infrastruktur ergänzt und, beispielsweise im Vergleichsfall des LMS, für das eine oder andere Feature, für das eine oder andere Projekt (beispielsweise mit einer anderen Schule in Österreich oder in der EU), für den einen oder anderen Einsatzzweck zusätzlich genützt werden kann.
In burgenländischen Schulen, aber auch in der LehrerInnenbildung, ist es beispielsweise nicht ungewöhnlich, dass LMS und edumoodle parallel eingesetzt werden.
Gut also, dass die, die sonst gar keine Lernplattform hätten, durch edumoodle die Chance auf ein moodle Basisservice haben. Gut auch, dass im Falle eines ausgebauten und besteingeführten Landesservices (wie im Burgenland) bei Bedarf unkompliziert auf die Ergänzung von edumoodle zurückgegriffen werden kann.
Aber die Zeit wäre reif, dass sich auch andere Bundesländer nach dem Vorbild des Burgenlandes entschlössen, das, was
eigentlich an Möglichkeiten erschlossen werden könnte, auch tatsächlich „abzuholen“ – auf welcher technischen Basis (also: mit moodle oder dotLRN wie im Burgenland oder ILIAS ...) auch immer …
Die Präsentationen und Dokumentationen der E-Learning Konferenz in Eisenstadt sind auf der Konferenz-Website verfügbar unter
www.enis.stsnet.at/elearning-conference => Materialien
(1) Um hier allfälligen Missverständnissen und Fehlinterpretationen vorzubeugen: Inhaltlich-konzeptionell verfolgen edumoodle und LMS unterschiedliche Ansätze; ja müssen dies aus finanziellen Gründen sogar. Jeder schlichte und einfache Vergleich zwischen Moodle und LMS verbietet sich aus Seriositätsgründen aber von selbst und wäre vergleichbar mit Positionen, die (um versuchsweise eine Analogie zu gebrauchen) meinen, dass Schulbücher grundsätzlich gar nicht (die eine Extremposition) oder ausschließlich (die andere Extremposition) zu verwenden seien.