Das virtuelle Klassenzimmer der Hauptschule 3, Spittal/Drau
Ein Gastbeitrag von Dipl. Päd. Hermann Rohrer
Mit dem Schuljahr 2008/09 führte die Hauptschule 3 Spittal/Drau eine Notebook-Klasse ein. In den kommenden Schuljahren wird das durch IMST begleitete und finanziell unterstützte Projekt nicht nur fortgeführt, sondern auch erweitert. Da die Schule schon seit vielen Jahren den autonomen Schwerpunkt Informatik, Kommunikation und Medientechnologie führt, waren die Voraussetzungen für die Entscheidung gegeben, mit Notebook-Klassen im regulären Unterricht zu beginnen.
Nach einem Schulbesuch mit Unterrichtsbeobachtung an der HS Rosegger in Knittelfeld begann das Vorbereitungsjahr für die zukünftige Notebook-Klasse schon im Schuljahr 2007/08. Mit 12 Schülerinnen und 7 Schülern wurde dann die erste Notebook-Klasse der HS 3 Spittal im Herbst 2008 gestartet. Der Einführungsunterricht erfolgte an den PCs in den Computerräumen der Schule und wurde vor allem in den Gegenständen Informatik, Maschinschreiben und Englisch vermehrt durchgeführt.
Als Kooperationspartner seitens der Wirtschaft wurde dabei auf einen heimischen Betrieb einerseits und auf qualitativ hochwertige Notebooks andererseits gesetzt: Mit der Firma asut in Spittal wurde ein kompetenter Wirtschaftspartner gefunden und eine einzigartige Kooperation zwischen Eltern, SchülerInnen, Schule und der Firma asut vereinbart: Die SchülerInnen gelten dabei lediglich als BenützerInnen der Geräte und haben somit auch die Garantie 4 Jahre lang erstklassige und regelmäßig gewartete Geräte benützen zu können. Der Schulgemeindeverband des Bezirkes Spittal war von diesem Modell der Vereinbarung so angetan, dass man sich prompt mit einem namhaften Betrag an dem Projekt beteiligte. Damit konnten die Kosten für die Benützung wesentlich gesenkt werden. Noch vor Ostern 2009 werden die Geräte an die Schule geliefert und dann mit Software, die die SchülerInnen zum Arbeiten mit den Notebooks benötigen, bespielt. Nach Ostern 2009 beginnt der verstärkte Einsatz der Notebooks im dann fertig installierten Klassenzimmer. Somit wird der Notebook-Unterricht in den einzelnen Gegenständen zunehmend intensiviert. Trotzdem wird aber darauf geachtet, dass Notebook- und Präsenzunterricht (ohne Notebooks) in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stattfinden.

Die erste Notebook-Klasse der HS 3, Spittal/Drau
Die in der Klasse unterrichtenden LehrerInnen nehmen regelmäßig an Weiterbildungen teil, um so den Herausforderungen der geänderten Unterrichtsformen und den neuen Prüfungsformen mit allen Konsequenzen gewachsen zu sein. Im Rahmen von Fortbildungskursen wird nach und nach das gesamte LehrerInnenteam auf den Unterricht mit Notebooks vorbereitet. Die Direktorin der Schule, Helga Spitzer, möchte aber auch ökologische Aspekte (ÖKOLOG-Schule) in den Notebook-Klassen verankert wissen, wie beispielsweise die bereits bestehende Schulform mit Lernzeiten und betreuter Mittagspause. Ferner erhofft sie sich auch weitere Erfolge bei den vielen bundesweiten Informatikwettbewerben, bei denen die HS 3 Spittal schon zahlreiche Bundessiege errungen hat.
Es war der Schule besonders wichtig, dass der Unterricht in der Notebook-Klasse gleich von Beginn an auf zweifache Weise wissenschaftlich begleitet wird: Einerseits begleitet IMST (Innovationen Machen Schulen Top) das Projekt mit einer genauen Dokumentation und einer Feedback-Kultur, die Kinder, LehrerInnen aber auch Eltern einbezieht. Andererseits wird die Notebook-Klasse im Rahmen einer großen Evaluationsstudie (Schulklima, Klassenklima, Lernfortschritte, schulisches Umfeld, etc.) von der Universität Graz begleitet. Diese Vorgangsweise ist auch bei den zukünftigen Notebook-Klassen vorgesehen. Damit führt die Hauptschule 3 Spittal einen einzigartigen und wissenschaftlich begleiteten Unterricht durch. Die Ergebnisse werden auch in der pädagogischen Fachwelt großes Interesse hervorrufen.
Das virtuelle Klassenzimmer betreten die SchülerInnen neuerdings über das Portal der Website: www.notebookschule.at. Von hier aus haben sie Zugang zu allen wesentlichen Bereichen, mit denen gearbeitet werden kann. Die schuleigene Moodle Lernplattform bietet zahlreiche Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung in Kursform an. Hier werden von Lernkursen bis hin zu Tests alle Möglichkeiten eines schnellen und modernen Unterrichtes angeboten. Das Erlernen neuer Lernformen steht dabei im Mittelpunkt. Zum Beispiel können die SchülerInnen den überwiegenden Teil ihres Englischunterrichts über diese Plattform abwickeln und dann ihre Cyberhomework (www.more-online.at) sogleich ins Internet stellen. Genauer gesagt können die SchülerInnen von überall auf die Lernplattform zugreifen oder diese betreten, womit „lifelong-“ und „everywhere-“ learning keine bloßen Schlagwörter mehr sind.
Überaus interessant sind auch einige Tools des Web 2.0 mit denen sich die Kinder bereits angefreundet haben. Es sind dies einige Tools von Google bereitgestellt, wie Google Docs, Gmail, Picasa, Text&Tabellen oder Google Maps. Weiters schreiben und lernen die Kinder miteinander Vokabel mittels „cobocards“ (www.cobocards.com). Nachdem sie vor kurzem das Europäische Sprachenportfolio (in Druckform) ausgehändigt bekommen haben, gehen sie nun daran das E-portfolio mit Mahara (www.mahara.at) zu erforschen. Die Schule hat dazu eine eigene Instanz erhalten. Ein weiteres Lernprogramm, das die SchülerInnen selbst mit Leben füllen können, ist yacapaca (http://yacapaca.com). Hier kann von vorgefertigten Lerninhalten gelernt, aber auch eigene Lerninhalte erstellt und diese dann mit MitschülerInnen geteilet werden. Es warten aber noch zahlreiche Web 2.0 Tools darauf von den Kindern erforscht zu werden. Davon profitieren auch die SchülerInnen der andern Klassen, insbesondere im Informatik Unterricht.

„Lifelong-“ und „everywhere-“ learning sind nun keine bloßen Schlagwörter mehr!
Nachdem der ECDL einen wesentlichen Schwerpunkt im Informatik Unterricht darstellt, erlernen die SchülerInnen die Inhalte die einzelnen Module über zwei Wege: Einerseits steht ihnen eine ECDL-Moodle Plattform (www.ecdl-moodle.de) zum Erlernen der Module zur Verfügung, andererseits lernen sie über die überaus profunde Website EASY4ME der Brüder Klotz (www.hs-golling.salzburg.at/easy4me/index.htm). Damit werden Lerninhalte genutzt, die im Web bereits vorhanden sind („Warum das Rad neu erfinden, wenn es bereits erfunden ist!“).
Im Link „virtuelles klassenzimmer" auf der Website www.notebookschule.at werden die Lernerfolge und das Erreichen neuer Ziele der SchülerInnen fortlaufend dokumentiert. Auch werden dort die wissenschaftlichen Ergebnisse publiziert. Damit findet das von IMST unterstützte Projekt eine würdige Dokumentation und steht so auch anderen Schulen als Vergleichsstudie oder als „Fundgrube“ jederzeit zur Verfügung. Der Projektleiter, Dipl. Päd. Hermann Rohrer, ist besonders erfreut auf die Erfahrungswerte zweier fundierter Notebook-Hauptschulen zurückgreifen zu können (www.hs-rosegger.at/ und www.hs-sinabelkirchen.com). Zu diesen Schulen wurden persönliche Kontakte aufgebaut und es erfolgt ein regelmäßiger Informationsaustausch. Langfristiges Ziel ist es auch einen sogenannten Notebook-Schulen Cluster zu schaffen.
Aber auch die Eltern finden Zugang zu den neuen Lernformen ihrer Kinder, indem sie eingeladen werden bei Elternabenden den Spuren ihrer Kinder zu folgen und die Lernprogramme ihrer Kinder nachzuvollziehen. Interessierte Eltern haben weiters die Möglichkeit die Lernkurse, die den SchülerInnen zur Verfügung gestellt werden, auch zu Hause zu besuchen – gratis versteht sich natürlich von selbst. Auf diese neuen Erfahrungen kann man besonders gespannt sein ... Dadurch kann sich eine neue Schulkultur entwickeln, die aus einer innovativen Zusammenarbeit zwischen Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen besteht.
Kontakt:
Dipl. Päd. Hermann Rohrer
hermann.rohrer@schule.at oder hermann.rohrer@gmail.com
Direktion der Hauptschule 3 Spittal
direktion@hs-spittal3.ksn.at