Schritt3: Mädchen bedeutet das Lesen mehr als Jungen
Die Daten der PISA-Studie bestätigen, dass Mädchen mehr zum Vergnügen lesen als Jungen und dass sie auch mehr Zeit mit selbstbestimmtem Lesen verbringen.
Am größten sind die Geschlechterunterschiede bei der erzählenden Literatur (Geschichten, Romane, Erzählungen), die Mädchen deutlich öfter lesen als Burschen. Sie bevorzugen vor allem Texte, in denen die Darstellung von sozialen Beziehungen im Mittelpunkt steht: Liebesromane oder Geschichten über Familie und Freundschaften.
Typisch für diese Art von Literatur ist es, sich mit den Hauptpersonen zu identifizieren und sich in die Handlung hineinzuversetzen. Diese emotionale Involviertheit dürfte für die starke Beziehung verantwortlich sein, die Mädchen zu ihrer Lektüre entwickeln. Da Mädchen laut PISA auch schneller lesen als Jungen, scheint es logisch, dass Mädchen insgesamt mehr und komplexer lesen.
Auch Jungen lesen erzählende Literatur, diese ist allerdings mit unterschiedlichen Themen verknüpft als bei den Mädchen: mit Abenteuern, Detektiven oder mit Science Fiction bzw. Fantasy-Welten. Die Handlungen in diesen Geschichten sind eher nach außen gerichtet; weniger stehen Beziehungen oder das Reflektieren über sich selbst im Mittelpunkt, sondern das Handeln, das Aktiv-Sein.
Jungen schätzen besonders spannungs- und erlebnisorientierte Unterhaltungsliteratur, die hinsichtlich ihrer Erzählweise an der Dramaturgie von Film und Fernsehen orientiert ist. Sie interessieren sich zudem eher für Comics sowie Sachbücher. Diese beiden Genres rangieren allerdings insgesamt am unteren Ende der Häufigkeitsskala und werden von allen Lesemedien am seltensten gelesen.
Im Umgang mit Büchern sind Jungen übrigens wesentlich widerständiger als Mädchen. Mädchen sind eher geneigt, ein Buch auch dann zu Ende zu lesen, wenn es ihnen nicht so gut gefällt. Sie lassen im Gegensatz zu Jungen seltener Stellen aus oder überfliegen Seiten.
Am öftesten lesen sowohl Mädchen als auch Burschen Tageszeitungen, Zeitschriften und Texte am Bildschirm. Speziell der Zuwachs am Lesen von Texten am Bildschirm zeigt, dass Lesen zunehmend von audiovisuellen Medien bestimmt wird. Internetangebote haben vielfach Magazincharakter angenommen, die Interaktivität mit Tönen, Videos und einer unendlichen Angebotsvielfalt verknüpfen.